Schmerzen

Sie kehren wieder.
Die Schmerzen der Vergangenheit.
Manchmal sind sie so fern verschlossen von mir.
Dann fühle ich einfach nichts. Gar nichts. Eine endlose erschreckende Leere.
Aber dann gibt es Zeiten, wo der Schmerz allgegenwärtig ist.
Er endet dann tagelang nicht und quält mich stundenlang in Form von körperlichem Schmerz oder Flashbacks mit Bildern und Stimmen.

Depressionen, endlose Schwärze, elende Finsternis in mir.
Es sind zu viele Bilder, zu viele Informationen von früher.
Wieviele male stand ich dem Tode so nahe und bin doch geblieben.
Es gibt zwei Seiten in mir die ich mir bewusst bin.
Die Seite in mir mit Schmerz und die Seite die keinen empfindet.

Ich bin froh wenn ich überhaupt etwas empfinde, aber muss es denn gleich immer so viel sein?
Und meine Gedanken, können sie nicht endlich mal leise sein?
Ich kann schlafen, endlich einmal nach Jahren und doch werde ich den Schmerz von früher nicht los.
Er kommt immer wieder, körperlich oder seelisch.

Oft frage ich mich, wie lange werde ich noch leben.
Einerseits fühle ich mich alt, anderseits aber noch so jung im Geiste.
Mein „Ich“ in vielen Dimensionen….
Ich möchte gerne meine Mitte finden, aber die gibt es im Moment nicht.
Eine Möglichkeit zu existieren die das Leben hier erträglich macht, das wäre mein Wunsch.
Ich möchte gerne fühlen. Aber nicht so viel.

Zu Zeiten des totalen Gefühlsverlustes hat man das Gefühl den Verstand zu verlieren.
Weil man denkt man wird nie wieder fühlen.
Aber zu viel fühlen ist auch unerträglich.
Ich wünsche mir eine Mitte.

Meine Gedanken sind verwirrter die letzten Wochen hindurch.
So ergeht es mir, wenn ich gestresst bin, mit meinem Leben unzufrieden.
Weil ich weiss, innerlich habe ich ein ruhige Mitte aber nicht zu Zeiten wie diesen.
Dann schreibe ich manchmal mehr oder höre viel Musik.
Das kann mich ein wenig beruhigen.
Auch lange Spaziergänge helfen extrem gut.

Aber solange ich schlafen kann, ist alles noch einigermassen im Gleichgewicht.

Auch der Herbst ist so eine Zeit, wo ich immer Anfange noch mehr zu grübeln.
Diese Nebelschwaden an den Tannwäldern und alles in graues Licht getaucht, haben ja schon etwas sehr melancholisches.
Ja, die Natur wird langsam ruhiger….

Das fehlen von Ambivalenz.

Trotz des vermeintlichen Chaos in meinem Gehirn, versuche ich manchmal die Gefühle von Menschen zu verstehen, die zwei Gefühle gleichzeitig fühlen können.
also, ambivalent fühlen.

In mir gibt es keine Ambivalenz.
Ich kann alles lenken, so wie es mir beliebt.
Meine Gefühle kann ich manchmal sowieso nicht wahrnehmen und wenn, dann vielleicht nur mit diesem doofen Cannabis, welches meine Gedanken verlangsamt.
Gefühle sind stark in mir, aber flüchtig und sie lösen sich schnell in Nichts auf.
Man kann sie nicht festhalten, so wie Fakten.
Es sind kleine Gebilde, kleine flüchtige fraktale.
Wie kleine bunte Feen…sie hüpfen herum und kommen und verschwinden, kichern rum und albern miteinander.

Fakten sind hingegen Monumente, wie die Pyramiden. Die stehen jahrhundertelang, unzerstörbar.
Gefühle sind aber in mir niemals widersprüchlich.
Weil jeweils nur ein Gefühl „identifiziert“ werden kann.
Aber das blöde ist, ich besitze kein Gedächtnis für Gefühle, weil sie sehr schnell wieder verschwinden.
Darum sind Emotionen sowieso zweitrangig wenn es um Erinnerungen geht.

Ich weiss also oft nicht, was ich einen Tag davor gefühlt habe.
deshalb kann man mich leicht täuschen oder mir Dinge antun die ich dann schnell wieder vergessen habe. Rein emotional natürlich. Die Bilder zu den Ereignissen habe ich ja immer detailliert abgespeichert. Nur die Emotionen dazu vergesse ich.

Vielleicht schreibe ich darum, weil ich bestimmte Gefühle und Gedanken festhalten muss, ehe sie in Raum und Zeit verschwinden?
Oder soll ich sagen, „im Chaos verschwinden“
Ich muss einfach schreiben, denn sonst vergesse ich meine eigenen Gefühle.
In dem ich dann oft meine eigenen teste nochmals durchlese kommen auch die Emotionen dazu hoch.

Trotzdem werde ich nie erfahren, wie sich Ambivalenz anfühlt.
Das empfinde ich als ein Defizit.

Diejenigen, die im Chaos verweilen.

Warum muss ich bloss all dies fühlen und sehen, was andere fühlen?
Wie oft habe ich mich gefragt, warum dem so sei.
Jetzt habe ich heute wieder einen Blogeintrag von einem Autisten gelesen und sehe andere haben das auch so wie ich.

Wer hat eigentlich damit angefangen zu sagen, das Autisten zuwenig fühlen?
Jedenfalls sicher nicht diejenigen, die im Chaos verweilen.

Wenn die Menschen, die ein grundlegend geordneteres Denken haben von Natur aus als ein Mensch im Chaos, wie ich es bin, einmal durch mein Gehirn hindurch die Welt sehen könnten, dann würden sie verstehen, das es nie ein „zuwenig“ an fühlen war, sondern immer ein „zuviel“
Manchmal schien es mir so, wie wenn die Schmerzen anderer meine Schmerzen wurden.
Im Stress hatte ich diese Fähigkeit immer mehr.

Mir wurde die Anwesenheit von anderen einfach zuviel.
Ihre Zustände schienen sich auf mich zu übertragen und mir blieb nur die Flucht ins Allein sein.
Ich fühlte mich nicht „ordentlich“ sondern immer mehr dem „Chaos ausgeliefert“
Und somit war ich froh, viele andere Menschen zu treffen, die das selbe Chaos in ihrem Gehirn tragen und sich dagegen wehren mit allen Mitteln.
Ich musste mich oft irgendwie in mir an eine Sache klammern, um überhaupt das Gefühl haben zu leben und dem Chaos zu entgehen.
Das waren meist Interessen die ich bis zus Selbstaufgabe ausführte oder manchmal auch Menschen, an die ich mich klammerte.

Und dennoch sehne ich mich nach Ruhe in meinem Kopf.
Wie schön es doch wäre wären die Gedanken langsamer und die Ideen und Möglichkeiten weniger.
Ich bin froh um jedes bisschen an Verlangsamung das ich kriegen kann.
Ganz ehrlich, am liebsten schlafe ich.
Da dann teilweise mein Gehirn einfach mal abschalten kann.

Aber ja..Chaos hat auch seine guten Seiten.
So entsteht aus Chaos Kreativität.
Die grössten Künstler waren oft in ihrem Gehirn am chaotischen.
Sonst hätten sie niemals solche Werke geschaffen.

Hochleistung.

Ich bin zurück.
Zurück im Leben.
In einem normalen Zustand.
Zumindest ein Zustand in dem ich mich fähig befinde einen neuen Artikel zu schreiben.

Ich war kurzzeitig mal ausgefallen, weil mein Gehirn wieder mal „hoch lief.“
Risperdal haben sie mir verschrieben, die Psychiater, und Temesta.
Aber nichts halt geholfen.
Gegen meine Gedanken kommt nichts an, kein Medikament, keine Droge der Welt.
Ich habe mich kurzfristig in ein Krieseninterventionszentrum begeben, weil ich irgendwie mich nicht mehr so wohl fühlte mit meinem Gehirn.
Ich hatte einmal sowas wie ein epileptischer Anfall und davor hatte ich wieder Angst.
Es gibt Situationen wo mein Gehirn oft „überlaufen“ kann vor zuvielen Bildern und Gedanken, der Stress muss einfach gross genug sein.
Vor drei Wochen war mal wieder so eine Situation.

Die Psychiater im Krieseninterventionszentrum meinten nur immer, das mein Gehirn „viel zu sehr heisslaufe“
Aber warum kann ich denn nicht einfach im Stress auf dem Boden bleiben?
Kommen grössere Krisen in meinem Privatleben vor, kann ich nicht aufhören zu Denken.

Es bringt einfach meine Ordnung durcheinander und meine Sicherheit.
Alles verliert an vertrauen und ich „löse mich auf“
Das sind die wirklichen Schattenseiten des Autismus.

Manchmal muss ich Cannabis rauchen um meine Gedanken irgendwie noch zu bremsen.
Ohne irgend eine Substanz ist das extrem schwierig.
Ich habe schon mehrmals versucht, nichts zu konsumieren, aber die Gedanken sind so dermassen viel, das ich kaum schlafen kann und oft unter Verspannungen leide.
Ich finde eine Pflanze besser als irgend ein Medikament. Aber am liebsten wäre es mir, wenn ich nichts nehmen müsste.
Im Gespräch mit der Pflegerin kam raus, das ich halt die gesamte Energie in mein Denken investiere.
Sie sagte, mein Körper kriege zuwenig Energie, aber mein Gehirn alles.
Es fiel mir auch schwer zu essen, mir ist dann oft schlecht.
Sie meinte auch noch das ich einfach zuviel lese und zu wenig lebe, ich solle mehr unter die Menschen gehen.

Da mag sie wohl recht haben.
Die Datenmenge in meinem Kopf ist zu Gross.
Und die Menschen, manchmal, die tun mir mit ihren Gedanken und Gefühlen weh. Ich stimme völlig zu, das die Theorie stimmt, das Autisten eher zuviel Empathie haben als zuwenig.
Da ich die Menschen schon immer gefühlt habe und deren Schmerzen ebenso.
Oft ist es mir nämlich zuviel.
Ich spüre, was andere spüren so sehr, das ich oft das Gefühl hatte daran zu zerbrechen.
Ich ziehe mich dann zurück.

Im Krieseninterventionsszentrum hatte ich mehrmals das Gefühl, die Leute da und die Psychiater waren mit mir ziemlich überfordert.
Mein Gehirn liess sich kaum runterfahren, geschlafen habe ich nur mit 1-2 mg Temesta und 0.5 mg Risperdal aber teilweise lief ich trotzdem noch rum.
Die Pfleger sagten mir, die Medikamente wirken bei mir paradox.
Meine Gedanken wurden immer paranoider und ich wurde immer ängstlicher und schlussendlich habe ich alles abgesetzt.

Ich musste Tagelang mit diesen ziemlich komischen paranoiden Gedanken zurechtkommen.
Ich hatte sogar das Gefühl man verfolge mich und sogar das ich sterbe.
Mein Gehirn fing an Ereignisse ganz komisch zu verknüpfen und das unaufhörlich.
Zum Glück ist nun alles wieder in Ordnung und ich muss meine Rituale wieder finden.
Solche Kriesen will ich eigentlich nie mehr erleben.

Wer sind wir?

Es ist klar, das sicher jeder sich einmal diese Frage gestellt hat.
Aber ich stelle sie mir, seit ich mir bewusst war, das um mich herum andere Menschen existierten.
Das war so ungefähr mit elf Jahren.
Auf den unzähligen Flügen nach Spanien mit meinem Vater sah ich oft aus dem Fenster und sah die Großstädte der Menschen von Oben.

Es lag nahe, das ich den Vergleich anfing zu ziehen, das diese Großstädte von Oben genau so aussahen wie eine Krebszelle oder ein anderer „Organismus“ der sich über den Planeten „frass“.
Ich machte mir die ganze Jugendzeit hindurch Gedanken zu diesem Thema.

Ich dachte mir, was, wenn wir einfach „Einzelteile“ von einem grösseren Organismus wären?
Im Grunde genommen, bestehen wir Menschen doch aus Milliarden von einzelnen Zellen, jede mit ihrem eigenen Innenleben.
Angenommen, eine solche Zelle hätte ein Bewusstsein, dann wäre sie wie ein einzelner Mensch, aber zusammen ergeben sie eine Großstadt die reibungslos funktioniert.
Im Grund genommen wiederholt sich einfach alles unendlich, eben, wie ich schon mal schrieb Welten in Welten in Welten in Welten…..

Ich dachte dann, angenommen alles hätte ein Bewusstsein, auch eine Zelle.
Und mehrere von diesen ergeben dann einen grösseren Organismus, mit einem „höheren Bewusstsein“ und dann geht das unendlich so weiter.

Was würde dann also passieren, wenn eine einzelne Zelle unseres Körpers aber „böse wird“ und „eigene Wege gehen will“, sozusagen „rebellieren will?“
Theoretisch würde sie dann eine Armee produzieren, sich also vermehren, um dann mit anderen gegen die ganzen restlichen Zellen zu kämpfen.
Und genau das tut ja Krebs.
Genau wie die Großstadt vernichtet das aber auf Dauer den „grösseren Organismus“ auf dem der Krebs ja gewissermassen „lebt“.
Im Fall der Großstadt wäre das also der Planet.
Der Planet wäre ja dann auch ein Lebewesen, mit Bewusstsein nach meiner Theorie.

Was, wenn wir Menschen nichts weiter als ein Parasit, ein Geschwür, ein Krebs für diesen Planeten wären?
Wenn wir gar nie die „Krönung der Schöpfung“ sind, wie viele es doch sehen, sondern einfach nur ein energiesaugender Räuber.
Ich meine, auch solche braucht es in einem Ökosystem.
Jedoch das entspräche nicht dem menschlichen Bild, welches er sich doch gerne wünschen würde.
Der Mensch will sich gerne in einem reinen Bild sehen, er als „das Beste“ was die Evolution hervorbringen konnte.
Aber das sind wir nicht.
Schaut mal alle genau hin.

Hier sieht man eindeutig, das gewisse Strukturen öfters vorkommen:

Großstadt von Oben:
2-format43

Krebszellen:
krebszelle-DW-Wissenschaft-BR3

Nervenzelle des Menschen:
zoom

Strukturen des Universums: (Verteilung der Materie, dort wo orange ist, ist die Information am höchsten)
universum+

Jedoch weiss ich aber noch lange nicht, warum dann der Mensch über das alles nachdenken kann.
Lernen wir einfach ununterbrochen?
Für was lernen wir und warum müssen wir das tun?

Ist das Universum einfach ein eigener Organismus und denkt auch nach?
Wohin führt das Denken?

So viele Fragen…..

Zeitfraktal

Seit Anbeginn meiner Erinnerungen ist das, was die Menschen „die Zeit“ nennen für mich ein Rätsel.
Schon als Kind fühlte ich mich einfach „Zeitlos“.
Ich empfand, das gar keine Zeit vergeht, nur das Chaos der Dinge nahm in meinem Umfeld zu.
Ich hatte begriffen das Chaos und Struktur zum Leben gehörten.
Aber es irritiert mich auch heute noch, wenn Menschen oder Dinge altern und sich verändern.
Es ist für mich so surreal und unbegreiflich, manchmal löst es auch so eine Art Panik aus in mir.

Die Zeit und ich hatten einen ewigen Kampf gegeneinander.
Für mich ist Zeit einfach Entropie, also die Unordnung nimmt in jedem System zu, das ist das Gesetz der Natur und wir Menschen sind ja auch Systeme.
In meiner Welt lief alles langsam ab.
Ich bemerkte, wie die Menschen versuchten die Zeit zu messen, anscheinend war das etwas vom wichtigsten im Menschenleben.
Und ich wurde gezwungen auch mit einer Uhr herumlaufen, weil meine Eltern meinten ich sei zu langsam in meinen Tätigkeiten, eine Träumerin und unachtsam.
Aber diese Uhr verarschte mich die ganze Zeit.

Ich schaute immer wieder auf die Uhr, aber kaum war ich wieder in meiner „langsamen Gedankenwelt“ und schaute nach gefühlten fünf Minuten wieder mal darauf, vergingen in der Realität Stunden.
Schmerzhaft musste ich bemerken das die Zeit chaotisch verging und alles andere als linear und somit kontrollierbar war.
Sie erschien manchmal langgezogen, mal aber komprimiert.
Auch die Zeit ist nur ein Fraktal.

Ich hatte das Gefühl, mich irgendwann mit der Zeit synchronisiert zu haben und es besser lief sie zu „erfassen“
Aber ich bekam dann immer mehr das Gefühl, Dinge „vorausberechnen zu können“

Ich hatte ein Lieblingsspiel eine Zeit lang.
Oft schmiss ich einen Würfel hin und ratete welche Seite oben war.
Wenn ich es einfach „automatisch geschehen liess“ in meinen Gedanken, also sozusagen den Gedankenfluss einfach „chaotisch ablaufen liess“ dann ratete ich immer richtig, jedoch dachte ich einmal bewusst darüber nach, lag ich falsch.
Ich machte mir viele Gedanken dazu, wieso das Ganze so war. Ich kam dann zur folgenden Erkenntnis:
Die Zukunft existiert eigentlich schon.
Und zwar in unzähligen Möglichkeiten.
Anhand der Kräfte, die alle fraktaler Natur sind, kann man dann berechnen, welche Möglichkeit sich gerade „materialisieren“ (also zur Realität) wird.

Das klingt jetzt für einige sicher irre, aber so war es wirklich.
Im Verlauf meines Lebens machte ich oft solche „Warscheinlichkeitsberechnungen“ und ich wurde immer besser darin.
Das Gleiche geschah ja mit Algebra, welches ich auch so „automatisch“ einfach begriffen habe, damals in der Schule, ich musste nicht überlegen.
ich habe mich oft gefragt, ob ich auch gut wäre in der Stochastik.

Die Frage die sich duch mein ganzes Leben hindurch zieht ist: Generieren wir unsere eigene Zukunft selbst?
Manchmal hatte ich das Gefühl, Dinge vorausahnen zu können..wobei es keine „Vorausahnung im Übersinnlichen Sinn“ war, eher eine präzise Berechnung aller Möglichkeiten die in diesem Moment hätten sein können.
Klar, oft denke ich das war eine Fähigkeit mich in meiner Familie durchzuschlagen. Wenn ich Dinge schnell und effizient vorausberechnen konnte, dann konnte ich oft vorher schon Strategien zu meinem Selbstschutz anwenden.
Diese Art Dinge vorauszuberechnen bescherte mir einige sehr unheimliche Momente in meinem Leben, so wie man sie eher aus magischen Büchern kennt.

Die Zeit ist jedenfalls für mich ein seltsames, fast unbegreifliches Konstrukt.
Ich sage Raum und Zeit sind ein Fraktal.
Genau wie unser Herzschlag erscheint sie nicht linear sondern einfach chaotisch, aber nur auf den ersten Blick.
Chaos ist auch Ordnung, wenn man es denn versteht. Weil Chaos auch wieder Ordnung erzeugt. Es ist immer eine Frage der Perspektive und der Grössenordnung.

Eine Ameise zum Beispiel muss die Welt um sie herum chaotisch wahrnehmen, weil Menschen herumtrampeln und grosse Wesen sie angreifen.
Aber sie sieht nicht, das eigentlich eine viel grössere Welt existiert die zum Beispiel eigentlich auch demokratische Strukturen hat, so wie sie selbst mit ihrer Kolonie ja auch.
Sie sieht ja nur einen Bruchteil der „anderen Welt“ und kann durch die Grössenordnung gar nicht sehen das es das Gleiche wäre wie in ihrere eigenen Welt.
Und so geht es weiter, vom Kleinsten ins Grösste und wieder zurück. Und wir Menschen sind irgendwo mitten drin.
Was wir sehen ist ein Bruchteil des Ganzen und alles Weitere würde unser Verstand gar nicht begreifen.
Das Universum muss wohl unendlich sein…wie ein Fraktal.
Welten in den Welten in den Welten……

Wenn also Raum und Zeit ein Fraktal ist, dann gäbe es mehr Dimensionen.
Vielleicht existieren wir sogar in mehreren, wer weiss 🙂

Die Entdeckung der Welt

Als ich so um die 7 Jahre alt war, hatte ich einfach viel viele Gedanken in meinem Kopf.
Andere Kinder wollten nichts mit mir zu tun haben, weil ich mich mit sehr aussergewöhnlichen Themen beschäftigte.
Ich weiss noch, wie ich da schon einen Computer hatte, einen sehr alten allerdings.
Mein Vater hatte in mir gegeben.

Ich hatte da oft Farben angeschaut.
Einfach nur das Programm „Paint“ (ein Zeichnungsprogramm) geöffnet und die Farben darin benutzt und angesehen.
Ich fragte mich eines Tages, warum ich diese Farben sehe.
Und ob es Farben gibt, die ein Mensch nicht sehen kann.

Meine Gedanken waren teilweise ziemlich komplex.
Sie warfen einen Haufen an Fragen in mir auf.
Und die Erwachsenen beantworteten sie oft falsch oder zu ungenau.
Mein Vater meinte dann, das es keine Farben gibt, die ein Mensch nicht sehen kann.
Aber heute weiss ich es gibt zum Beispiel Infrarot, welches ein Mensch nicht sehen kann aber auch eine Farbe hätte.

Als Kind schien es oft, als wäre ich einfach aus dem Nichts erschaffen worden, zusammengepresst aus meiner Umgebung, zu einer Struktur Namens Körper, welcher über sich selbst und die Welt nachdenken kann.
Oft wollte ich einfach wieder „Nichts“ sein, weil ich das Gefühl hatte, mein eigener Körper enge mich ein.
Ich wollte Grenzenlos sein, so wie mein Geist.
Die Informationen aus der Umgebung schienen durch mich hinduchzufliessen und sich in meinem Körper für immer festzuhalten, wie in einem Spinnennetz.
Dabei war es egal was ich sah, alles erschien meinem Gehirn als wichtig, es aufzunehmen.
Es war ein ewiger, unaufhörlicher „Durchfluss“ an Information.
Ich, als Struktur blieb ber immer gleich, immer standhaft. Nur die Informationen wurden immer mehr und immer komplexer.

Nur im Stress, da hatte ich oft das Gefühl mich „aufzulösen“ zu „Nichts“
Da schien sich immer beinahe meine Struktur aufzulösen und ich verschwand im „dunklen Nichts“
ich brauchte oft Sicherheit in Form von Ritualen, wenn jeder Tag die gleichen Handlungen beinhaltete, dann ging es mir gut und ich bemerkte ein positives „Kraftgefühl“ in mir.
Doch oft ist die Menschenwelt sehr Chaotisch und beinhaltet keinen „Takt“ so das ich oft drohte „mich aufzulösen“
Als Kind fürchtete ich mich oft vor diesem Zustand.
Ich fühlte mich dann „flüssig“ ohne Körpergefühl, mein Verstand, der vorher „bei sich“ war und regierte über mein Denken und Handeln, war nun überall in Raum und Zeit gleichzeitig.
In diesem Zustand gibt es keine Zeit.
Es existierte einfach nur meine Umgebung, und meine Augen, die die Umgebung zwar sehen, aber nicht mehr interpretieren.
Ich sah die Realität halt, nur ohne das ich diese interpretierte.
ich sah zwar einen Tisch, aber ich konnte das Objekt nicht benennen. Es bestand einfach nur aus einer reinen visuellen Information.

Ich saugte oft jegliches bisschen Information aus meiner Umgebung auf und sei es nur eine kleine Ameisenstrasse am Boden, die andere nicht bemerkt hätten.
Oft zeichnete ich dann das, was ich sah auf oder dachte stundenlang über das Leben nach.
Die Entstehung von Leben hatte mich schon immer fasziniert.

Diese Art der Wahrnehmung konnte ich aber dann lernen zu nutzen. In Momenten der Ruhe konnte ich „Gesehenes“ verknüpfen miteinander.

So sah ich zum Beispiel als Kind, das ich Blumen mitsamt der Wurzel ausgraben konnte und wieder in die Erde einbringen konnte, ohne das sie austrocknete.
Es machte mir Spass, weil ich dachte, „jetzt konnte das Gänseblümchen seinen Standort wechseln dank mir und es lebt weiter“

Oft dachte ich darüber nach, warum das Leben lebt und auch vergeht.
Und warum alles um uns herum Fraktal ist, sogar wir Menschen selbst.
Heute weiss ich, Leben ist ein Entwicklungsprozess, Altern keineswegs Verschleiss sondern ein genetisch festgelegtes Programm.
(Es gab ein Kind, welches Sicht nicht weiterentwickelte, weil bestimmte Gene für die Körperentwicklung ausgeschalten wurden, das Kind sieht aus wie ein Jahr alt, aber es war 20.)
Wie man sieht, ist alles in uns ein Proramm, welches abläuft.

Vielleicht ist die Existenz von Autisten tatsächlich auch ein „Fehler“ oder eine Variation in so einem dieser Entwicklungsgenen? Vielleicht wächst ja das Gehirn bei Autisten zu schnell, während der Körper eher „zurückgeblieben“ erscheint?

Zumindest gibt es Theorien darüber, das Autisten irgendwie eine „Anomalie“ in bestimmten Genen die für die Entwicklung des Gehirns zuständig sind, in sich tragen.
Vielleicht liegen all meine Probleme es wirklich in meiner Genetik.
interessant nur, das man kaum einen „Fehler“ im Autistischen Gen-Code gefunden hat.
Autismus also vielleicht als Variation der Natur?

Als Kind hatte ich oft das Gefühl, ich habe „zuviel Gehirn“.
Anstrengend fühlte sich das nicht direkt an, anstrengend waren eigentlich nur die Menschen.
Wenn sie nicht so gestört hätten oder mich gehindert hätten Informationen zu sammeln, dann hätte ich bestimmt noch mehr lernen können.
Oft denke ich auch, was wäre ich für ein Mensch geworden, wenn man mich einfach „machen lassen hätte“
Ich sah mich als Kind oft als „Informationsspeicherndes Wesen“ welches einfach nur existiert um zu lernen.
Wofür das lernen wusste ich nicht.
Aber ich stellte mir als Kind oft vor, ich würde einfach irgendwann woanders aufwachen wenn ich sterbe und mein Körper war nur Illusion.

Menschen in meiner Umgebung hatten meine Welt kaum verstanden.
Sie forderten halt, das man in eine Schule geht und dort langweilige Sachen lernt.
Aber ich interessierte mich schon in der ersten Klasse für Biologie, wollte die Zusammenhänge zwischen fraktaler Struktur und Leben herausfinden.
Ich sah oft vom Klassenzimmer auf die Wiesen hinunter vor dem Schulhaus.
Wie Raben darauf herumhüpften und pickten.
Ich träumte mich da hinaus um dieses Szenario zu beobachten und zu erforschen.

Oft wurde ich von Lehrern angeschrien, ich soll nicht träumen.
Aber das meiste was sie mir in der ersten Klasse beibringen wollten, interessierte mich nicht.
Ich wollte lieber wissen, wie Raben sich verhalten, und warum Ameistenstrassen sich so gut organisierten, oder weshalb man Blumen einfach umtopfen kann, ohne das sie sterben.
Warum erzählte man mir das nicht in der Schule?
Ich fand die Schule furchtbar langweilig, oft konnte ich nicht zuhören und versank in mir drin.
Eine Zeit lang bekam ich dann auch Fieber und war ständig wegen der Schule krank.
Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles irgendwann.