Die Entdeckung der Welt

Als ich so um die 7 Jahre alt war, hatte ich einfach viel viele Gedanken in meinem Kopf.
Andere Kinder wollten nichts mit mir zu tun haben, weil ich mich mit sehr aussergewöhnlichen Themen beschäftigte.
Ich weiss noch, wie ich da schon einen Computer hatte, einen sehr alten allerdings.
Mein Vater hatte in mir gegeben.

Ich hatte da oft Farben angeschaut.
Einfach nur das Programm „Paint“ (ein Zeichnungsprogramm) geöffnet und die Farben darin benutzt und angesehen.
Ich fragte mich eines Tages, warum ich diese Farben sehe.
Und ob es Farben gibt, die ein Mensch nicht sehen kann.

Meine Gedanken waren teilweise ziemlich komplex.
Sie warfen einen Haufen an Fragen in mir auf.
Und die Erwachsenen beantworteten sie oft falsch oder zu ungenau.
Mein Vater meinte dann, das es keine Farben gibt, die ein Mensch nicht sehen kann.
Aber heute weiss ich es gibt zum Beispiel Infrarot, welches ein Mensch nicht sehen kann aber auch eine Farbe hätte.

Als Kind schien es oft, als wäre ich einfach aus dem Nichts erschaffen worden, zusammengepresst aus meiner Umgebung, zu einer Struktur Namens Körper, welcher über sich selbst und die Welt nachdenken kann.
Oft wollte ich einfach wieder „Nichts“ sein, weil ich das Gefühl hatte, mein eigener Körper enge mich ein.
Ich wollte Grenzenlos sein, so wie mein Geist.
Die Informationen aus der Umgebung schienen durch mich hinduchzufliessen und sich in meinem Körper für immer festzuhalten, wie in einem Spinnennetz.
Dabei war es egal was ich sah, alles erschien meinem Gehirn als wichtig, es aufzunehmen.
Es war ein ewiger, unaufhörlicher „Durchfluss“ an Information.
Ich, als Struktur blieb ber immer gleich, immer standhaft. Nur die Informationen wurden immer mehr und immer komplexer.

Nur im Stress, da hatte ich oft das Gefühl mich „aufzulösen“ zu „Nichts“
Da schien sich immer beinahe meine Struktur aufzulösen und ich verschwand im „dunklen Nichts“
ich brauchte oft Sicherheit in Form von Ritualen, wenn jeder Tag die gleichen Handlungen beinhaltete, dann ging es mir gut und ich bemerkte ein positives „Kraftgefühl“ in mir.
Doch oft ist die Menschenwelt sehr Chaotisch und beinhaltet keinen „Takt“ so das ich oft drohte „mich aufzulösen“
Als Kind fürchtete ich mich oft vor diesem Zustand.
Ich fühlte mich dann „flüssig“ ohne Körpergefühl, mein Verstand, der vorher „bei sich“ war und regierte über mein Denken und Handeln, war nun überall in Raum und Zeit gleichzeitig.
In diesem Zustand gibt es keine Zeit.
Es existierte einfach nur meine Umgebung, und meine Augen, die die Umgebung zwar sehen, aber nicht mehr interpretieren.
Ich sah die Realität halt, nur ohne das ich diese interpretierte.
ich sah zwar einen Tisch, aber ich konnte das Objekt nicht benennen. Es bestand einfach nur aus einer reinen visuellen Information.

Ich saugte oft jegliches bisschen Information aus meiner Umgebung auf und sei es nur eine kleine Ameisenstrasse am Boden, die andere nicht bemerkt hätten.
Oft zeichnete ich dann das, was ich sah auf oder dachte stundenlang über das Leben nach.
Die Entstehung von Leben hatte mich schon immer fasziniert.

Diese Art der Wahrnehmung konnte ich aber dann lernen zu nutzen. In Momenten der Ruhe konnte ich „Gesehenes“ verknüpfen miteinander.

So sah ich zum Beispiel als Kind, das ich Blumen mitsamt der Wurzel ausgraben konnte und wieder in die Erde einbringen konnte, ohne das sie austrocknete.
Es machte mir Spass, weil ich dachte, „jetzt konnte das Gänseblümchen seinen Standort wechseln dank mir und es lebt weiter“

Oft dachte ich darüber nach, warum das Leben lebt und auch vergeht.
Und warum alles um uns herum Fraktal ist, sogar wir Menschen selbst.
Heute weiss ich, Leben ist ein Entwicklungsprozess, Altern keineswegs Verschleiss sondern ein genetisch festgelegtes Programm.
(Es gab ein Kind, welches Sicht nicht weiterentwickelte, weil bestimmte Gene für die Körperentwicklung ausgeschalten wurden, das Kind sieht aus wie ein Jahr alt, aber es war 20.)
Wie man sieht, ist alles in uns ein Proramm, welches abläuft.

Vielleicht ist die Existenz von Autisten tatsächlich auch ein „Fehler“ oder eine Variation in so einem dieser Entwicklungsgenen? Vielleicht wächst ja das Gehirn bei Autisten zu schnell, während der Körper eher „zurückgeblieben“ erscheint?

Zumindest gibt es Theorien darüber, das Autisten irgendwie eine „Anomalie“ in bestimmten Genen die für die Entwicklung des Gehirns zuständig sind, in sich tragen.
Vielleicht liegen all meine Probleme es wirklich in meiner Genetik.
interessant nur, das man kaum einen „Fehler“ im Autistischen Gen-Code gefunden hat.
Autismus also vielleicht als Variation der Natur?

Als Kind hatte ich oft das Gefühl, ich habe „zuviel Gehirn“.
Anstrengend fühlte sich das nicht direkt an, anstrengend waren eigentlich nur die Menschen.
Wenn sie nicht so gestört hätten oder mich gehindert hätten Informationen zu sammeln, dann hätte ich bestimmt noch mehr lernen können.
Oft denke ich auch, was wäre ich für ein Mensch geworden, wenn man mich einfach „machen lassen hätte“
Ich sah mich als Kind oft als „Informationsspeicherndes Wesen“ welches einfach nur existiert um zu lernen.
Wofür das lernen wusste ich nicht.
Aber ich stellte mir als Kind oft vor, ich würde einfach irgendwann woanders aufwachen wenn ich sterbe und mein Körper war nur Illusion.

Menschen in meiner Umgebung hatten meine Welt kaum verstanden.
Sie forderten halt, das man in eine Schule geht und dort langweilige Sachen lernt.
Aber ich interessierte mich schon in der ersten Klasse für Biologie, wollte die Zusammenhänge zwischen fraktaler Struktur und Leben herausfinden.
Ich sah oft vom Klassenzimmer auf die Wiesen hinunter vor dem Schulhaus.
Wie Raben darauf herumhüpften und pickten.
Ich träumte mich da hinaus um dieses Szenario zu beobachten und zu erforschen.

Oft wurde ich von Lehrern angeschrien, ich soll nicht träumen.
Aber das meiste was sie mir in der ersten Klasse beibringen wollten, interessierte mich nicht.
Ich wollte lieber wissen, wie Raben sich verhalten, und warum Ameistenstrassen sich so gut organisierten, oder weshalb man Blumen einfach umtopfen kann, ohne das sie sterben.
Warum erzählte man mir das nicht in der Schule?
Ich fand die Schule furchtbar langweilig, oft konnte ich nicht zuhören und versank in mir drin.
Eine Zeit lang bekam ich dann auch Fieber und war ständig wegen der Schule krank.
Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles irgendwann.

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