Erst mal Klarheit.

Beim Diagnostiker musste ich ein paar Stunden verbringen, meine ganze Lebensgeschichte gingen wir durch.
Ich schwitzte sehr schlimm, ich war nervös, ich hatte Angst man lacht mich wieder aus.
Aber..er musste mir dann recht geben.
Er sagte, das ich sehr warscheinlich das Asperger-Syndrom habe.
Das ist eine Form des Autismus, bei der man durchscnittlich bis überdurchschnittlich Intelligent ist.
Man ist also nicht Geistig „behindert“

Er sagte mir auch, das Autismus bei Frauen nicht auffällt und man bei mir kein Borderline sehen könne, da Borderliner eine andere Persönlichkeitsstruktur hätten.
Dieser Arzt schien viel mehr erfahren zu sein wie mein derzeitiger Psychiater. Er wusste sehr viel und erklärte die Dinge auch so, das sie Sinn machten.
Ich musste einige Tests über mich ergehen lassen.
Auch meine Eltern und Grosseltern mussten Fragebögen über mich ausfüllen.
Nach ein paar Sitzungen, sagte mir der Diagnostiker, das er sich ganz sicher sei, das ich im Autismusspektrum sei.
Die Dinge deuten darauf hin, weil ich z.B. Hyperlexie , also frühes genaues Lesen, ohne den Text zu verstehen.
Ich habe sehr früh ja angefangen zu lesen, und es ist bis heute das einzige was ich wirklich tun kann, nebst Musik hören was mein Gehirn einigermassen beruhigt.

Die Gedanken erschlagen mich auch heute sehr oft noch.
Bilder von Früher, die sich aufdrängen und die ich erhoffe auch ein wenig los zu werden in dem ich darüber schreibe.
Und auch die Depression ist auch heute noch mein ständiger Begleiter.
Ich denke sie kommt, duchs viele Nachdenken über unsere Welt, mich selbst und meine Geschichte.
Es verging nun noch mals fast ein Jahr und ich nahm mehrere Monate durch Beruhigungsmittel weil ich so nervös war nach der ganzen Autismus-Geschichte.

Nach dieser Diagnose, ich hätte Autismus, wurde ich nach einiger Zeit von der IV gebeten, mich nochmals zu einer Gutachterin zu begeben.
Man verprach mir, mich gut zu behandeln.
Zum guten Glück konnten sie mich aus dem Haus locken. Ich hatte so furchtbar Angst, keiner glaubt mir mehr.
Ich hatte Panikanfälle, das Haus zu verlassen, so sehr fürchtete ich die Menschen und die Welt da draussen.
Oft versagte mein Kreislauf fast und meine Hände und Füsse liefen weiss-blau an.

Die neue Gutachterin, war eine Unispital-Oberärtztin. Sie war älter und wirkte sehr ruhig und erfahren. Auch ihr Wissen war gross.
Ich war fünf Stunden mit ihr in einer Sitzung und erzählte alles was ich wusste.

Sie sagte am Schluss, sie sehe es auch so, das ich Autist bin, aber ich habe auch viele andere Probleme.
Zum Beispiel eine Traumafolgestörung und andere psychische Probleme wie eine Depression.
Aber, weil ich alles rational ansehe und nicht mit Emotionen erzähle und einfach mein gesamtes Denken anders ist, denke sie meine primäre Diagnose sei schon Autismus.
Ausserdem habe ich kaum Mimik und Gestik, fiel ihr auf.

Sie sagte auch, nach all dem ganzen Stress muss ich entlastet werden, desshalb sehe sie nur eine Rente für mich, da sie nicht wisse wo ich noch stressfrei arbeiten könne.
Ich soll dann schauen, das ich genug esse und mir Rituale vorbereite.
Ich war erst mal geschockt, gleichzeitig fühlte ich mich entlastet weil ich so mich endlich mal regenerieren konnte im Kopf.

Ein neues Leben fing für mich an, ich sah zum ersten mal wieder einige Zukunftsperspektiven.
Aber ich verfiel auch in eine sehr schwere Depression weil ich zuerst mit dieser Veränderung nicht umgehen konnte, der Psychiater sagte dem „Entlastungsdepression“
Die IV bezahlte mir von da an nun monatlich eine Rente, viel ist es ja nicht, aber ich bin zufrieden.
Ich konnte jetzt etwas mehr an Kultur und Leben teilnehmen, Menschen kennenlernen.

Ich habe angefangen wieder Sport zu machen und ich esse jetzt auch immer regelmässig. Ich rauche nicht mehr, ausser Cannabis, welches ich ab und an noch mit dem Vaporizer rauche.
Alkohol habe ich auf ein kleinstes Minimum reduzieren können.
Inzwischen durfte ich auch Bekanntschaft mit mehreren Autisten machen und ich fühle mich nicht mehr so alleine wie früher.
Ich habe Selbstvertrauen gefunden und fühle mich nun verstanden und akzeptiert auf diesem Planeten.
Auch wenn es bis heute sicher nicht die Beste Lösung war, bin ich froh momentan einfach nur entlastet zu sein und der Mensch werden, der ich immer sein wollte: Ein kreativer, abenteuerlustiger Mensch der gerne neues endeckt und unglaublich Wissendurstig ist.
Ich habe auch einige Pläne für die Zukunft.

Ich konnte mir neue Kleidung kaufen jetzt und auch mal hochwertigere Produkte.
Es gab mir ein bisschen Leben zurück.

Wir wären am Ende meiner Geschichte.
Aber natürlich geht es jetzt weiter.
Ich werde über Autismus, meine Probleme im Alltag und mehr, gerne hier noch weiterhin berichten.
Nur, über meine Vergangenheit, wisst ihr jetzt alles.

Jetzt kann ich das letzte Foto hier unten hochladen, ein Foto meines 28 Lebensjahres wo ich heute stehe.
So, wie ich halt bin 🙂

P1390480

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4 Kommentare zu “Erst mal Klarheit.

    • Ja, ich habe Kontakt zu anderen Autisten. Ich fühle mich eigentlich nicht mehr so einsam in mir drin. Ich finde, ich konnte Ordung schaffen in mir und das ist das Wichtigste.

      • Das freut mich!
        Ich hatte gefragt, weil es ja inzwischen ein sehr interessantes Netzwerk von bloggenden Autisten gibt, mit denen du dich, wenn du möchtest, vernetzen könntest. Aber vielleicht kennst du sie ja schon. =)
        Ein paar stehen bei BloO in der rechten Spalte unter „interessante Blogs“:
        http://bloosplanet.wordpress.com/

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