Zeit vergeht nicht, nur das Chaos wird grösser….

Immer mehr begann sich eine Dunkelheit über mein Verstand zu legen.
Eigentlich, wenn man es genau nimmt, war sie schon immer da.
Sie erschien immer in Momenten, wo ich ganz mit mir selbst war.
Als wäre es eine gewisse Panik, Zeit mit mir ganz alleine zu verbringen, weil dann alle meine Gedanken und Bilder mich erschlugen.

Ich fühlte mich Haltlos ohne Arbeit, aber auch zu schwach um wieder eine Arbeit aufzunehmen.
In dieser Zeit veränderte ich mich einfach zu stark.
Meine Wahrnehmung war auf ein Minimum reduziert, ich war auch nur noch zu einem Minimum an Handlungen fähig.
Ich konnte weder den Menschen zuhören, noch ihnen adäquat Antwort geben.
Nicht einmal 200 m zum Einkaufszentrum schaffte ich noch. Ich war einfach körperlich viel zu schwach.

Alles was ich jeden Tag ass, war ein Fertigprodukt, ein Nudeltopf, in den man kochendes Wasser giessen konnte, dann umrühren musste und schon war es zubereitet.
Bestimmt nicht gesund, aber zu mehr war ich oft nicht fähig.
Aber selbst um das Wasser in den Wasserkocher zu füllen, war ich oft zu schwach.
Jede Bewegung schien zu schmerzen.

Durst, Hunger und andere Körperliche Signale schienen bei mir in diesen zwei weiteren Jahren versagt zu haben.
Ich trank oft viel zu wenig und irgendwann rissen mir die Mundwinkel aufgrund des extremen Nahrungsmangels erneut ein.
Ich schlief oft um die 14 Stunden und war selbst dann noch viel zu Müde um aufzustehen.
Sonnenlicht hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.
Meine Mitbewohner gingen oft für mich einkaufen.

ich war nur Nachts wach, wie ein Zombie, zudem hatte ich angefangen täglich Cannabis zu rauchen.
Ich wurde süchtig, und das recht stark.
Obwohl das Cannabis mir mit Tabak nie gut tat, rauchte ich aus Langeweile und Perspektivlosigkeit ganz viel.
Irgendwann hatte ich schwere Panikattacken und Stimmen gehört, als es wieder mal zuviel wurde.

Mit meinem Damaligen Freund, lief es auch nicht so gut, wir beschlossen zusammenzuziehen, da ich immer wieder von meinen besten Freunden hörte, „es sei ja mal an der Zeit das man das mache.“
Ausserdem war es mir recht, ein anderer Mensch konnte mir wieder Strukturen geben.
Irgendwie kam ich alleine gar nicht klar, ich war unglaublich passiv und Depressiv. Ich konnte mir damals keine Rituale geben, ich musste sie von Aussen haben, so wie ich es mir gewohnt war.
Und ohne Rituale konnte ich sehr schnell in Panik oder Depression verfallen.
Arbeit war für mich immer eine Art Ritual, auch wenn sie mich ziemlich gestresst hatte.

Aber das Zusammenziehen mit meinem damaligen Freund stellte sich als totale Katastrophe heraus.
Wir hatten nur noch Streit. Und dies entartete so, das ich kaum Ausdrucksmöglichkeiten hatte, mich anständig zu wehren.
Ich bekam das erste mal ernstere gesundheitliche Probleme.
Vom exsessivem rauchen und Stress bekam ich Asthma, dann Probleme mit Histamin.
Ich hatte Urtikaria (Nesselsucht) das ist ein sehr nervender, juckender Ausschlag.
Ich magerte auf 38 Kilo herunter, weil ich noch weniger gegessen hatte.
Meine Mundwinkel waren dauernd eingerissen und ich blass und gräulicher Hautfarbe.

Mein Zentralnervensystem schien einfach völlig überlastet zu sein, aber keiner der Ärzte konnte sich diese Symptome in so extremer Form erklären.
Insgesamt war ich bei drei verschiedenen spezialisierten Ärzten.
Langsam merkte ich, mein Leben lief schief.
Mein damaliger Freund fing auch an impulsiver und wütender zu werden und schmiss manchmal Gegenstände herum, die mich auch ab und an trafen und mich verletzten.
Ich begann zu erkennen, das ich schon viel zu mir hinter mir hatte und ich möglicherweise einen Körper habe, der langsam aber sicher nicht mehr mitmag. Und das mit 20 Jahren.
Leider musste ich auch erkennen, das ich an einen völlig falschen Menschen für mich geraten bin.
Und das mein damaliger Freund sehr ähnlich zu mir war, wie mein Elternhaus mit mir umgegangen ist.
Vielleicht kannte ich es bis dahin nicht anders, mich mit solchen Menschen zu umgeben.

Aus schlechtem Gewissen meinem Körper gegenüber, las ich in meiner Freizeit alles was man gutes für sich und seinen Körper tun könnte.
Ich hatte angefangen, Fisch und Gemüse zu kochen und versuchte regelmässig zu essen.
Das Rauchen reduzierte ich ein bisschen, wobei ich immer noch viel Cannabis brauchte um mich herunterzuholen.
Aber ich las immer mehr über Ernährung und versuchte meine Ernährung zu erweitern auf frisches saisonales Obst.

Trotzdem war ich in dieser Zeit einige male etwas krank mit Fieber.
Aber erstaunlich wenig, für diese stressige Zeit.
Um Abends einschlafen zu können, trank ich immer öfters Alkohol, von dem ich bei 38 Kilo nicht viel brauchte um gleich einzuschlafen.
Ich kam zu der Zeit auf eine wichtige Erkenntnis.

„Zeit vergeht nicht, nur das Chaos deiner Moleküle wird grösser“

Wir sind Wesen des Chaos, einen Augenblick lang im Universum (Das ist ein Wimpernschlag) sind wir ein ein Organismus mit Struktur..dann zerfallen wir immer mehr und die Unordnung wird immer grösser.

Meine Depressionen wurden immer grösser und ich wusste auch, das ich mich trennen musste. Aber jegliche Veränderung würde an meinem geschwächten Körper zehren, das wusste ich.
Dennoch kehrte ich eines Abends nicht mehr zu meinem damaligen Freund zurück.
Es war eine gute Entscheidung
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