Wohin denn nun?

Nach einem endlos erscheinenden weiteren Jahr im Exil, entschlossen mein damaliger Freund und ich, an einen optimaleren Ort zu ziehen.
Die Wohnung in diesem abgelegenen Kaff war einfach viel zu dunkel weil sie zu kleine Fenster hatte. Dazu kam, das man im Winter kaum Sonne hatte, da riesige Berge die Sicht verdeckten.
So kam es, das die Sonne schon um ein Uhr Nachmittags unterging.
Mich machte das unglaublich Depressiv.
Ich sah Monatelang nur Dunkelheit.

Ab und an konnte ich auf Zürich fahren und bei Freunden übernachten.
Aber einige von diesen Freunden stellten sich wiederum als falsch heraus.
Einer von ihnen, hatte mich auch ohne meinen Willen angefasst.
Zum Glück habe ich mich geweht diesmal, denn so etwas lasse ich nicht mehr mit mir machen.

Wenn ich auf Zürich fuhr, war ich oft von den vielen Reizen total überflutet so das ich in eine Euphorie verfiel. Mir war es oft viel zu viel auf einmal, da ich mir ja gewohnt war, nur Zuhause zu sein.
Es war eine unglaubliche fülle von neuen Eindrücken, eine Ekstase für meinen Körper.
Ich nahm dann auch ziemlich viel Ritalin, mischte es manchmal sogar mit Alkohol und nahm zum Abschluss dann noch ein Benzodiazepin um einzuschlafen.
Mir war alles recht, um mich irgendwie zu vernebeln damit ich diese Reize und diese Welt, diese Einsamkeit in mir, und meine inneren Bilder nicht mehr fühlen und sehen musste.
Und ich tat es auch, weil ich wusste ich war in Zürich haltlos. Ich hatte nicht viele gekannt.
Ich sass wieder oft an Gothic Partys und schaute oft den Menschen zu und merkte noch mehr, wie ich so sehr anders war.
Nein, ich war kein Borderliner, schön wärs, wenn ich einer wäre, dann würde mir der Kontakt zu den Menschen doch leichter fallen, dann würden mir sexuelle Kontakte in Beziehungen leichter fallen, ich würde mehr nach aussen leben können.
Ich merkte, das ich immer mehr wurde wie mein Vater.

Oft dachte ich darüber nach, wie er gelitten hatte, wie er mir sagte, er könne den Frauen gegenüber keine Gefühle ausdrücken.
Nur Gedichte, die schrieb er immer.
Oder er malte Bilder.

Ich war ein Beobachter. Ich stand immer am Rande.
Und ich fühlte mich nie eins mit den anderen Menschen.
Ich sass alleine in dem Club in Zürich, wo ich schon die Jugendzeit verbrachte.
Die Menschen verhielten sich oft so Kopflos, kindisch und naiv. Sie lebten alle im Moment, im hier und jetzt. Ohne Gedanken an Morgen oder gestern.
Sie erschienen mir oft wie Kinder….
Ich konnte es nicht mehr. Ich war viel zu weit mit meinem Kopf. Ich war zu ernst geworden.
Verachtend fing ich an, mein Gehirn zu hassen.
Wie gerne, wäre ich weniger komplex gewesen.

Meinem Psychiater habe ich inzwischen durch den neuen Wohnort gewechselt.
Schwere Depressionen plagten mich immer wieder und Zukunftsängste.
Ich hatte oft Diskussionen über meine Borderline-Diagnose, weil ich das als nicht richtig empfand.
Ich verstand sowieso nicht, warum man so leicht von schizoider Persönlichkeit zu einer Borderline-Persönlichkeit umdiagnostiziert wird.
Das sind doch zwei völlig verschiedene Diagnosen.
Ein Borderliner ist eher ein Mensch der nach Aussen alles zeigt, weil er es ja eben im Innen nicht erträgt.
Aber ich bin ein „“Innenmensch““, schon immer habe ich alles alleine in mir drin gelöst.
Ich hatte zwar immer Freunde, aber ich glaube ich habe mich zuwenig geöffnet diesen gegenüber. Meistens brach ich zu allen vorzeitig den Kontakt ab, weil sie mich langweilten oder ich einfach allein sein wollte.
Selten habe ich bemerkt, das ich meine Gefühle nicht nach Aussen zeigte.

Ich dachte, alle Menschen können meine Gedanken sowieso sehen.
Das man Gefühle mit seinem Körper zeigen musste, das war mir fremd.
ich dachte, Menschen sehen mein „Innerstes“
Darum traute ich mich auch nie, zu Lügen.
Weil ich immer dachte, Menschen sehen meine Gedanken.

Ich entschied mich, selber zu einem Diagnostiker für Erwachsene Autisten zu gehen.
Die Seite http://www.Autismus.ch hat mir sehr geholfen.
Ich habe darauf hin dann einem dieser ein E-Mail geschrieben.
Ich schrieb in kurzen Kapiteln, ähnlich hier, was in meinem Leben so schief lief.
Das ich mir sehr viele Gedanken machte, aber Borderline nicht das richtige sei.
Die Therapie für Borderline war für mich irgendwie mehr ein Witz.
Es wurden mir nicht wirklich Ratschläge gegeben, der Psychiater sass nur da und sagte nichts.
Auch nicht, wenn ich ihn was fragte.
Er schien nichts zu wissen.

Endlich, als ich 26 Jahre alt war, nahm man mich einmal ernst.
Ich durfte zu diesem Diagnostiker gehen, mich mal richtig professionell untersuchen lassen.
Ich wollte wissen, was jetzt genau nicht mit mir stimmt.

P1220576

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s