Endlos Denken – Das fraktale Gehirn.

Während die Zeit verstrich, wurde ich immer klüger.
Im Alter von 23 Jahren las ich täglich acht Stunden im Internet Fachinformationen über Anatomie, Biologie und Wissenschaft.
Da ich ein fotografisches Gehirn besitze, konnte ich mir fast alles davon merken – es sei denn die Information interessierte mich nicht so.
Aber auch, über unser Wirtschaftssystem.
Es kehrte so eine Art Ruhe ein.

Vieles hatte ich aber auch dem Cannabis zu verdanken, welches meine Gedanken verlangsamte und somit auf ein normaleres Niveau herunter kamen.
Während andere von Cannabis schläfrig wurden, wurde ich eher klarer.
Oft konnte ich nicht einschlafen, weil einfach diese Gedankenflut meiner Erinnerungen mich überschwemmte.
Dies führte einfach zu oft zu Verspannungen und Gereiztheit, manchmal sogar Agressionen.

Ich konnte irgendwie nicht aufhören zu Denken, es lief ununterbrochen ein Gedankenfluss an riesigen Datenmengen ab.
Teilweise brachte es mich um den Verstand.
Ich merkte, warum ich gerne andere Menschen um mich herum hatte, weil sie mich einfach ablenkten vor meinen eigenen Erinnerungen.
Ich erkannte, das mein Gehirn Fraktal war und somit unendlich Informationen abspeichern konnte, die sich immer mehr verzweigten.
Es schien wie ein Quantencomputer zu sein, eine endlose Serie an Datenmengen in Form eines Sierpinsky-Dreiecks
Ich war froh wenn ich schlief, so hatte ich ein wenig Ruhe.
Doch jeden Morgen das selbe, mein Kopf fährt hoch und die Daten erschlugen mich fast.
Und täglich wurden es noch mehr, je mehr ich las.

Die Invalidenversicherungsanmeldung lief auch soweit gut, doch mich sollte noch böses erwarten.
Bei der Therapeutin lief es auch alles andere als gut, sie machte immer wieder Druck, das ich endlich Remeron nehmen sollte, ein recht starkes Antidepressivum.
Denn ohne das, meinte sie, würde ich mich nicht öffnen.
Seit der Anti-Baby-Pille weiss ich aber, das Medikamente bei mir extremer wirken als bei anderen und somit hatte ich eine riesen Angst.
Sie verschrieb mir dann Temesta.

Dieses Temesta ist ein Benzodiazepin, eine Art Beruhigungsmittel.
Als ich es das erste Mal nahm, fühlte ich mich sehr ruhig innerlich und ich neigte dazu, sehr viel zu Malen.
Ich wurde sogar richtig kreativ.
Wo ich doch vorher eher Angst hatte, selber Bilder zu kreieren, (ich zeichnete nur immer ab, also kopierte schon bekannte Werke), traute ich mich jetzt, ohne Ziel anzufangen zu zeichnen.
Das führte dazu, das ich das erste Mal eigene Bilder erstellte, ohne abzuzeichnen.
Später brauchte ich keine Beruhigungsmittel mehr, es ging dann auch ohne.

Ich wollte aber diese Medikamente nicht, sie machten sehr Abhängig. Sobald ich sie absetzte, wurde ich wieder zur „unendlichen Denkmaschine“
Wie verzweifelt versuchte ich Halt irgendwo in meinen Gedanken zu finden, indem ich mir ein paar Tiere kaufte und so versuchte, Struktur in meinen Tag zu bringen.
Aber eigentlich hatte ich gar keine Kraft dazu.
Das schlimme war, der Geist brauchte dringend eine Art Ablenkung, Struktur, während mein Körper aber leider viel Ruhe brauchte.
Dieser Zwiespalt machte mich ziemlich kaputt.

Die Therapeutin drohte mir mit geschlossene Klinik, wenn ich mich nicht bald endlich öffnen würde.
Das Sozialamt wollte mich bevormunden, da sie meinten ich habe mein Leben nicht im Griff. Sie kamen sogar mal in meine Wohnung um zu sehen wie ich lebte.
Ich fühlte mich von allen total unter Druck gesetzt und wie ein Tier in eine Ecke gedrängt.
ich konnte nur noch „um mich schlagen“ und alles Ablehnen, was man mir anbot.

Nichts hätte mein Körper mehr ertragen, keine Klinik, keine Medikamente, keine Gruppentherapie.
Mein immer verzweifelt werdendes „um mich schlagen“ und alles ablehnen, führte dazu, das meine Therapeutin den Verdacht auf Borderline-Anteile bekam.
Auf einmal schien sie „emotional instabile Teile“ in mir zu sehen.
Sie sagte mir, sie würde mich aus der Therapie schmeissen, wenn sie nicht bald einmal Gefühle von mir sehe. Und das gehe nur mit den besagten Medikamenten.
Ich soll Vertrauen zu ihr haben.
Aber wie denn, was wollte sie denn?
Gefühle zeigen?
Das tat ich doch?

Eines Tages schaute ich mir Zuhause eine Dokumentation über „Savants“ an, das waren autistische Menschen die ein Gehirn haben, das sich Teilweise von normalen Menschen unterscheidet.
Ich sah ein Savant, der sich alles merken konnte was er je sah, aber dafür mit anderen Menschen gar nicht klar kam. Aber den ganzen Tag beschäftigte er sich nur mit einer Sache.
Er konnte nicht gut Gefühle zeigen.
Voller erstaunen erkannte ich, ich hatte auch so etwas.
Viele haben mir bis anhin gesagt, das es nicht so normal sei, das ich nie was vergesse.
Und das ich jeden Tag über 8 Stunden lesen muss und nichts anderes tun wollte, schon seit ich 5 jahre alt bin.

Ich redete voller Schrecken mit meiner Therapeutin darüber, doch ohne mich anzuhören, meinte sie „Ach was, wenn sie Autist wären, würden sie nicht hier sitzen und mit mir reden“
Und das Thema schien für sie abgeschlossen.
Für mich aber nicht.
ich merkte, nach vielen Artikeln die ich Zuhause las, dass ich weder emotional instabil war, noch so verschlossen wie ein schizoider.
Die Diagnosen der Therapeutin mussten falsch sein, da meine wahrnehmung der Welt einfach ganz anders war.
Kein Wunder, brachte die Therapie nichts.
filbi3

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s