Der ewige Kampf gegen die Entropie.

Ich schien förmlich zu spüren, wie das Chaos an mir zehrte…Ich wurde älter und älter. Ich war knapp 23 Jahgre alt.
Neue Erkenntnisse taten sich in mir auf, die ich durch Monatelanges lesen und Stunden in der Natur erlangte.

Die Entropie, die das Universum vorantreibt, ist das Chaos, welches wiederum Strukturen erzeugt die sich wiederum, gegen das Chaos zu wehr setzen.

Wir Menschen sind aus dem Chaos entstanden, haben uns kurz zu einer Struktur zusammengesetzt und werden wieder im Chaos enden.
Menschen als organische Wesen machen einen Prozess der vollkommen Struktur zur vollkommenen Unordnung durch.
Einige von ihnen wiedersetzen sich der Zersetzung, dem Tod also gewissermassen, besser, während andere schneller in sich zerfallen.
Ich habe bemerkt ich zerfalle langsam.

Und so habe ich den Kampf mit der Entropie aufgenommen.

Ich beschäftigte mich stark mit Ernährung und mit den fragen des grossen Universums, allgemein las ich sehr viel oder schaute Dokumentationen. Mein Gehirn verlangte ununterbrochen nach Wissen.
Mir kam es vor, als würde ich dank dem Internet jetzt mehr Wissen als je zuvor in der Schule oder Zuhause. Denn die Schule hatte mich eher gehindert mich wirklich fortzubilden, denn nichts was ich dort gelernt hatte brauchte ich zum überleben, aber echt gar nichts.

Mir war aber oft sehr mulmig zumute wegen der Ruhe die ich jetzt hatte, da das Sozialamt mich vorübergehend mit ihren Beschäftigungsprogrammen in Ruhe liessen, wegen meinem schlechten Gesundheitszustand, hatte ich nicht mehr so viele Verpflichtungen. Aber dennoch eine ständige Angst plagte mich furchtbar, was in Zukunft mir mir geschehen würde.
Meine Kraftreserven waren leer. ich spürte es, weiter konnte es nicht mehr gehen.
Und wenn sie mich zwingen, zu funktionieren, so schwor ich mir das Leben zu nehmen.
Ich hatte oft Nervenzusammenbrüche vor dem Einschlafen mit schlimmen Heulattacken und Krämpfen, ich etrug diese Ruhe einfach nicht!
Viele Bilder und Informationen schwirrten in meinem Kopf herum und machten mich wahnsinnig, zuvor hatte ich nie die zeit um vieles von meiner Vergangenheit zu verdauen – nun überschwemmte mich die Informationsflut wie ein Tsunami und schwächte meinen Körper.

Trotzdem hatte ich das Gefühl, mich immer wieder neu ordnen zu können nach Stresssituationen, besonders mit Hilfe von Musik. Ich wollte meinen Körper beschützen. Gegen das Chaos kämpfen…..
Das Chaos konnte mich nicht besiegen, ich lebte noch. Ich wieder setzte mich offenbar sehr gut dagegen und konnte mich immer irgendwie wieder aufraffen.

Jedoch plagten mich noch immer Allergien, schwerere Immunreaktionen und manchmal auch innere Unruhe, Albträume und ständiges frieren.
Ärzte stellten einen niedrigen Schilddrüsenwert fest, und vermuteten einen Noradrenalinmangel.
Ich träumte von meiner Mutter, wie sie mich schlug, Schmerzen am ganzen Körper die so real schienen als würden sie gerade geschehen.
ich träumte von meiner Arbeitsstelle, wie sie mich mobbten, und von meinem Ex-Freund, wie er Gegenstände nach mir warf.

Ich begann wieder mehr zu essen, meistens sehr kalorienreich. Mein Appetit stieg auf einmal stark an.
Natürlich nahm ich nach so einer stressreichen zeit sehr viel zu, es waren wieder 15 Kilo.
Ich landete von den vorher 38 Kilos auf 53 hinauf. Mehr wurde es aber allerdings nicht.
Ich begann Krafttraining zu betreiben und ging auch mehr hinaus in die Sonne.
Die Ernährung hielt ich meistens gesund, nur Cannabis rauchte ich immer noch sehr viel

Ich gönnte mir dann mal eine Tättowierung am Oberarm, die ich mir schon lange sehnlichst gewünscht hatte. Ich liess mir DNA-Stränge und Zellinhalt stechen.
Das war immerhin eine kleine Sache, die ich mir gönnte.
Es gab mir das gefühl von Freiheit und das mein Körper jetzt mir gehört.

Schlafen tat ich immer noch sehr viel, so um die 12 Stunden am Stück und mein Kreislauf hatte sich nicht wirklich gebessert.
Oft tat ich es mir schwer antrieb zu finden etwas zu tun.
Kraft zum Arbeiten hatte ich nicht mehr wirklich.
Ich fühlte, wie sich alles regenerieren musste.

Meine Stimmung war sehr labil, jegliche Filme mit ähnlichem Inhalt zu meiner Vergangenheit brachten mich sofort zum Weinen und in Aufruhr.
Mein Nervensystem fühlte sich überlastet, überreizt und schwach an.
Allgemein fühlte ich mich nicht mehr mal ein bisschen belastbar, sondern immer sehr nah am weinen und nah an der schweren Depressivität.

Natürlich kam es soweit, das ich zu einer Psychiaterin ging, aber dafür musste ich allen Mut auf mich nehmen. Ich wusste, keiner würde mich wohl verstehen…das habe ich ja mehr als genug erlebt in meiner Geschichte.
Die Psychiaterin war erst von der Uni ausgetreten, also völlig frisch in ihrer Tätigkeit.
ich erzählte ihr auf Anhieb alles von früher und das ich jetzt so kraftlos sei.
Ich wurde auf 70 % krank geschrieben, mit Verdacht auf Schizoide Persönlichkeitsstörung (das ist eine Störung ähnlich dem Autismus) mit mittelschweren Depressionen, und Paranoia und komplexer posttraumatischer Belastungsstörung.
Das Sozialamt liess mich ein Stück weit mehr in Ruhe, da ich jetzt krankgeschrieben war, und nicht mehr volle Prozent arbeitsfähig.

Ich arbeitete in der Therapie meine Vergangenheit mit ihr durch.
Es war nicht einfach für mich, ihr alles zu erzählen, zumal ich sonst mit niemandem gross darüber gesprochen habe.
Jedenfalls kam ich mit der Therapeutin nicht wirklich zurecht.
Sie wollte mir Medikamente verschreiben, aber ich vertrug diese nicht.
Und wir gerieten deswegen immer aneinander…
Das nervte auf Dauer dann doch sehr.

Es kam wie es kommen musste, die Therapeutin meinte, ich muss mich bei der Invalidenversicherung anmelden, da ich nichts mehr beim Sozialamt zu suchen hätte.

P1030879

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