Musik ist Fraktal

Nach längerer Schreibpause habe ich mir überlegt, wieder mehr Teile hier zu verfassen.

Es muss gesagt werden, dass das schreiben dieser Texte für mich nicht sehr einfach ist.
Da ich vieles in meinem Leben detailliert gespeichert habe, kommen beim Abrufen dieses Bildmaterials an meinen Erinnernungen oft sehr starke Emotionen hoch die mir das schreiben nicht gerade leicht machen.
Ich muss zugeben, das ein oder andere mal lief mir auch eine Träne herunter.

So, ich fahre fort….

Ich verbrachte viel Zeit an Gothic-Partys, denn dort waren die Leute einfach „anders“.
Es gab viele sehr einsame Leute, oder Menschen die sich hinter einer sehr geschminkten Fassade versteckten, weil sie nicht sich selbst sein wollten.
So war auch ich, ein Stück weit.

Mir gefiel der Umstand, sich einfach mal anders anzuziehen dürfen als im Alltag.
Eine Figur zu erfinden, die man sonst ja nicht war.
Doch leider kam das nicht wirklich gut bei meinem Mitmenschen an.
Ich tat es mir schwer, kontakte zu knüpfen.
Irgendwann entdeckte ich auch den Alkohol, und merkte, das er mein Denken anregte.
Mein Körper beruhigte sich, und die Wahrnehmung der Umgebung sowie Menschen, stieg noch mehr an.
Ich benutzte den Alkohol viel zu oft um mit anderen Menschen zu reden.

Aber oft bescherte er mir auch unheimliches, wie das ich das ich mir einbildete, die Menschen um mich herum „zu spüren“. Ich sah oft im angetrunkenen zustand Bilder in meinem Kopf, von dem Leben der anderen Menschen.
Es war, als wäre meine Wahrnehmung ums tausendfache gestiegen, was mich oft überforderte.

Aber richtige Freundschaften gelangen mir nicht wirklich. Ich war einfach seltsam.
Die Gespräche blieben distanziert..oberflächlich.
Viellicht hatte mich mal der eine oder andere Mann geküsst.
Aber ich blieb in mir einsam, mit dem Gedanken, nie jemanden zu finden der mich versteht.

Ich fühlte mich zunehmends trauriger in mir.
Ich wusste nicht einmal warum, vielleicht weil ich so orientierungslos war?
Ich glaube auch, weil ich einfach nicht wusste, was ich war, wo ich war und warum….
Dieser Ort, dieser Planet kam mir so unheimlich vor, voller Rätsel.

Sehr oft habe ich mir die Gedanken gemacht zu sterben…ich glaube der Wunsch nach dem Ende war und ist immer vorhanden.
Aber irgendetwas in mir gab es auch, was leben wollte, es den anderen zeigen wollte.

Ich habe viel gezeichnet, mein Traum war es, einmal Menschen damit begeistern zu können.

Nebenbei habe ich oft Musik gehört.
Eigentlich überall wo sich nur die Möglichkeit anbot.
In der Musik bin ich aufgegangen, zerflossen, mit ihr geflossen….ich konnte viel besser zeichnen.
Meine Emotionen waren spürbar, fast schon Euphorie breitete sich in meinem Zentralnervensystem aus.

Musik ist Fraktal.
Wie mein Gehirn.

Ich habe erkannt, das Musik mich synchronisiert.
Es ist wie Ordnung schaffen…aus Chaos entseht Fraktalität…die Selbstähnlichkeit.

Die Fraktale Welt habe ich schon sehr früh entdeckt, auf dem Schulweg meines ersten Schultages.
Ich habe Bäume gesehen und erkannt, das ein Ast aus dem anderen heraus kommt.
Die kleinen Äste sahen aus wie kleinere Bäume, also kleine Kopien des grossen Baumes, sie waren also sich selbst ähnlich.

Darauf hin durften wir in der ersten Klasse etwas zeichnen, sozusagen zur begrüssung.
Ich habe einen Baum gezeichnet. Einen Fraktalen Baum.
Und ich weiss noch, wie die Lehrer echt verdutzt dastanden und ratlos waren, wie ich das da schon so gut konnte.
Ich habe den Baum mit Schatten und Lichtern gezeichnet.

Später habe ich angefangen, Farne und andere Pflanzen sowie Flusskrebse zu studieren und andere fraktale Muster.
Und so kam ich auch auf die Musik und dem Musik machen..weil Musik für mich nichts anderes war als fraktale Muster.

In der Schule, ich ging inzwischen in die Sekundarschule, hatten wir auch endlich mal etwas anspruchsvollere Mathematik, nämlich die Algebra.
Das System ist wie das Fraktale, ich habe es auf anhieb verstanden, ohne je darüber nachzudenken.
Mein Lehrer fing mit mir einen Streit an, weil ich ansonsten in Mathematik nur sehr schlechte Noten hatte.
Er wolle es mir nicht glauben, das ich dann Algebra so gut beherrsche.
Jedoch, als ich es ihm vor seinem Gesicht ausgerechnet habe, da musste er mir recht geben.

In Algebra schrieb ich ab dann nur noch die höchsten Noten (bei uns in der Schweiz eine 6)
Und das gab mir auch ein bisschen Stolz.
Ich konnte etwas, auch wenn es nicht so viel war.
Es war ein innerlicher Stolz, eine Fähigkeit zu besitzen.
Eine Fähigkeit, heisst für mich, das es angeboren ist. Man muss nicht nachdenken, sondern hat es „im Blut“
Und so schien das bei mir zu sein.

Diese und andere Themen haben mich eigentlich am Leben erhalten zu dieser Zeit.
Und gäbe es die Musik nicht, wäre ich vielleicht nicht mehr da….

SARA1234

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3 Kommentare zu “Musik ist Fraktal

  1. Wie schön, dass du wieder schreibst! Auch wenn du in deinem Leben so viele bittere Erfahrungen machen musstest, so freue ich mich doch darüber, dass du uns Leser Anteil nehmen lässt!
    Hast du Kontakt zu Menschen mit einem ähnlichen Schicksal?
    Wenn nicht, würde es dir helfen, dich mit ihnen auszutauschen?

    • Ich glaube nicht, das mir das helfen würde. Ich habe diese Dinge für mich verarbeitet und ich glaube, kein anderer Mensch hätte da jemals darauf Einfluss nehmen können.
      Aber dein Vorschlag ist sehr nett.

      • Hmm, eigentlich ging es mir bei diesem Gedanken auch gar nicht darum, dass jemand Einfluss nimmt, sondern darum, dass du nicht das Gefühl haben musst, mit diesem Schicksal allein zu sein und von niemandem verstanden zu werden.
        Aber vieleicht ist das ein zu sehr neurotypischer Gedankengang.

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