Im Nichts verschwunden…

Während meiner Ausbildung verschwand ich immer mehr im Nichts.
Ich glaube, die meiste Zeit davon habe ich noch zusätzlich dissoziiert.
Dissoziation ist, wenn das Gehirn einen Teil seiner Identität ausschliessen kann aus der Wahrnehmung.
Das geschieht oft bei traumatisierten Menschen. Sie leben weiter, vergessen aber in dem Moment vieles von Früher. Sonst könnten sie nicht unbeschwert weiterleben.

Doch nicht genug : Der Umstand, das ich zuwenig ass, und mir die Pille verschreiben lassen hatte, wegen meinem festen Freund damals (aus Unwissenheit!), führte dazu, dass ich an Gewicht zunahm.
Ganze 15 Kilo wurden es, im Verlauf des Jahres mit der Pille. Natürlich ass ich auch mehr, wenn ich die Pille genommen habe (ist ja wie eine Scheinschwangerschaft), aber es waren hauptsächlich Wassereinlagerungen.
Mein Gewebe riss ein und ich rutschte in eine richtige Essstörung herein.
Von der Pille selbst bekam ich schwere Zwangsgedanken und eine Paniksstörung.

Die Steroidhormone der Pille waren für mich viel zu stark.
Zuvor hatte ich kaum mehr meine Blutungen, aufgrund des Energiemangels.
Aber ich wusste, das ich robust war. Ich war nie krank und ich wehrte mich einwandfrei gegen jegliche Umstände.
Jedoch hatte ich grosse Probleme, als mein Umfeld mich plötzlich als „dick“ bezeichnete.

Vor der Pille war mein Körper mehr oder weniger gleich geblieben, abgesehen von meiner Periode und das mir Brüste gewachsen sind.
Aber jetzt war ich etwas, was mein Umfeld als „dick“ bezeichnete.
Ich reduzierte mein Essen wieder auf ein Minimum, das war ich sowieso gewöhnt.
Ich sah bis dahin den Zusammenhang nicht, das es von der Pille kommen könnte, ich dachte, das ich einfach zuviel gegessen habe und es meine Schuld ist.
Teilweise schob ich es einfach auch auf die Pubertät, dasman halt „weiblicher wird“
So hatten die Menschen mir das jedenfalls mitgeteilt.
Sie sagten ich soll weniger essen.
Dabei habe ich noch nie viel gegessen.

In meiner Ausbildung machte man schon ein wenig Sprüche über meine Figur, und auch in der Berufsschule, lachte man mich plötzlich aus.
Waren vorher die Frauen eher neidisch auf meine Figur, so schauten sie jetzt triumphierend auf mich herab und lachten mich aus.
„Sara nun bist du auch dick, du siehst echt grusig aus“
Ich fühlte mich jetzt noch mehr fehl am Platz.
Jetzt war ich auch noch „dick“….

Meine Brüste hörten nicht mehr auf zu wachsen und schmerzten ganz stark. Etwas stimmte definitiv nicht.

Meine Oma war dann schlussendlich die, die bei einem Besuch bei ihr dann herausgefunden hatte das das alles von der Pille käme.
Natürlich hatte ich sie dann abgesetzt und alles war wieder beim alten, nur das meine Brüste etwas mehr hingen. Darüber war ich sehr froh.
Aber für mich war das eine unglaublich schlimme Erfahrung.
Ich mag keine grossen Veränderungen und schon gar nicht an meinem Körper.
Ich hatte Angst ab diesem Zeitpunkt, zu essen.
Hatte ich doch früher eher nichts bekommen, so war es heute mein Wille, nichts zu essen.

Ich hungerte mich von 160 cm Körpergrösse auf 40 Kilo hinunter und fühlte mich wieder gut.
Mit weniger Gewicht fühlte ich mich oft freier, und leichter, klarer im Kopf.

Am Wochenende, wenn ich frei hatte, hing ich mit sehr kaputten Menschen herum.
Einige von ihnen nahmen Drogen und veränderten dann ihr Verhalten dadurch. Das war für mich sehr unheimlich. Ich habe gesehen, wie diese Menschen Pillen geschluckt haben und dann komische Dinge sagten oder getan haben, die sie sonst nie sagen oder tun würden-
Ich hatte unglaublich Angst vor Drogen, deshalb habe ich nur immer Alkohol getrunken und geraucht, mehr nicht.
Den Rauch konnte ich oft nicht mal herunterziehen weil er brannte, darum habe ich mehr gepafft all die Zeit.

Es gab aber auch Menschen, denen ich begegneten, die mir ähnlich waren.
Warum das so war, wusste ich bis heute nicht.
Ich habe nur von jemandem erfahren, den ich noch heute aus dieser Zeit kenne, dass er ebenfalls autistisch ist.

Die Dissoziation gewann irgendwann überhand, ich wusste teilweise nicht einmal mehr wo ich bin und wer ich war.
Es schien sich eine Dunkelheit immer mehr über mein Gehirn legen.
Viele Menschen hatten mich zu dieser Zeit gefragt, was denn mit mir los sei, aber in meinem Kopf war alles leer.
Ich wusste nichts mehr, alle Erinnerungen waren wie weg.
Vielleicht auch ein Grund, warum ich noch lebte?Unbenannt-44

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