Ich werde älter…

Mir fehlte immer mehr die Energie, um den Alltag zu bewältigen.
Es könnte daran gelegen haben, das unsere Mutter uns einfach zuwenig zu essen machte.
Oft schlief sie bis Mittags oder manchmal bis drei Uhr nachmittags.
Sie arbeitete in einer Bar Nachts.

Meine Schwester und ich kamen am Mittag von der Schule nach Hause und hatten sehr stark Hunger.
Aber niemand war da, und kein Essen auf dem Tisch.
Jeden Morgen bin ich alleine aufgestanden, und meine Mutter hatte mir ein kleines Stück Kuchen am Vortag hingestellt zum Frühstück.
Mir reichte das niemals aus, schon allein mein Gehirn braucht unglaublich viel Denkenergie.

Ich fing an, zu klauen.
Klar wusste ich das das falsch war, aber mein Hunger trieb mich dazu.
Ich versuchte es, so lange wie möglich hinauszuzögern, da ich immer ein schlechtes Gewissen hatte.
Oft habe ich an Feldern zuerst rohen Weizen oder roher Mais gegessen, dann zu Bauernhöfen in der Umgebung gegangen und habe Trockenfutter mit den Katzen gegessen, so wie früher.
Es war mir wirklich egal wie alles Schmeckte, ich brauchte einfach Energie. Ich habe es sogar lecker gefunden. Und das Gefühl, einfach mal etwas satt zu sein war noch schöner.

Meine Mutter wurde immer passiver.
Sie hatte offensichtlich schwere Probleme.
Ihr wurde dann die stelle gekündigt, weil sie mit ihrem Chef etwas hatte. die wurde von ihm ausgebeutet und dann hat sie sich gewehrt und wurde gekündigt.
Das zog ein langes Gerichtsverfahren mit sich, weil man darf ja aus privaten Gründen nicht gekündigt werden.
Sie tat mir damals unglaublich leid und ich habe oft nachgedacht wie ich ihr helfen sollte.
Weil es wohl für alle eine sehr schwere Zeit war.

Wenn ich jetzt hier diese Sachen aufschreibe über meine Mutter, ist das Warheitsgetreu und ich schreibe das nicht, um diese Personen schlecht zu machen, sondern dies ist ein Teil meines Verarbeitungsprozesses. Ich verstehe sehr wohl, das meine Mutter mit all dem leider überfordert war und das es schwierig war!

Nun ja. Meine Mutter wurde dann arbeitslos.
Sie schickte mich oft mit dem Fahhrad in das Dorf hinunter, um ihr eine Zeitung oder andere Artikel zu holen und verliess selbst kaum mehr die Wohnung. Ich war oft zu dünn und kraftlos, ich schleppte mich denn Hang hinunter und hoch.
Leider wurde sie immer mehr depressiv und nahm auch immer mehr an Gewicht zu, weil sie viel gegessen hat.
Mir gab sie allerdings kaum was zu essen.
Ich musste oft kochen, den Haushalt machen und etwas zu ihr schauen. Ich kam mir oft vor, wie wenn ich die „Mutter“ wäre für sie.

Sie wurde dann mit der Zeit, als ich gegen 15 Jahre ging, eifersüchtig auf meine abgemagerte eher dünne Figur.
Ich musste mich mehrmals ausziehen vor ihr, damit sie meine Figur und Brüste begutachten konnte.
Oft bewarf sie mich mit demütigenden Worten über meinen Körper.

An mir ist das einfach vorbeigezogen. Ich kannte solche Sachen ja schon von früher.
Ich habe mich angezogen und bin wieder ins Zimmer zeichnen gegangen.

Der Streit zwischen ihr und mir wurde noch heftiger, als ich angefangen habe, BHs zu tragen oder mich zu schminken.
Damit wurde ich endgültig zu ihrer Konkurrentin.
Sie hatte mir alles verboten und sagte, das ich damit schwer sündige, weil das mache man „nur um Männer abzuschleppen“
Ich habe das alles nicht verstanden, ich habe nur das nachgemacht, was andere in der Schule auch gemacht hatten.
Ich konnte es einfach überhaupt nicht gut.

Meine Mutter lernte einige Männer kennen zu dieser Zeit.
Mit einigen hatte sie sich verstritten, diese kamen darauf hin zu mir und wollten dann mich „ficken“
Sie meinten, das ich viel dünner sei und auch viel anständiger rede.
„Warum kann deine Mutter nicht so sein wie du?“ meinte einmal einer. Und der wollte meine Handynummer haben.

Ich fand das alles beängstigend…ich hatte natürlich alles abgelehnt und bin diesen Typen aus dem Weg gegangen.

Einmal lernte sie jemand kennen, der ihr total gut gefiel. Es schien ein echt normaler hübscher Mann zu sein.
Er merkte auch gleich, das bei uns alles komisch war. Oft hatte er versucht meiner Mutter zu helfen oder mir.
Aber sie liess sich nicht helfen.
Er hatte oft gespräche mit mir geführt, und gesagt, er würde mir ernsthaft helfen, er merke wir seien „krank“

Ich hatte keine Ahnung von was er sprach und ging ihm aus dem Weg.
Er war Christ. Und meine Mutter war so angetan von ihm , das sie in eine noch schwereres Depressives Loch fiel als er sie verliess weil er das nicht mehr ertrug.
Einmal redete er noch mit mir, und beteuerte, wie sehr meine Mutter hilfe brauche, aber sie lasse sich nicht helfen.
Ich verstand damals einfach gar nichts!
Dieser Mann gab mir dann noch seine Handynummer, falls ich hilfe brauche, er würde mich „da raus holen“

Ich habe sie sogar mal benutzt, und mit ihm gesprochen.
Aber ich habe nie gehofft, das jemand mir hilft.
Darum habe ich ihm gesagt, „ich schaff das alleine“, aber das es nett von ihm sei.

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