Eine neue Chance.

Darauf hin habe ich mich aus Verzweiflung dazu entschieden, meiner Mutter anzurufen.
Mein Vater liess mich von dem Geschäft nicht gehen, also wusste ich nicht, wohin ich mich sonst noch hätte wenden können.
Meine Mutter wurde darauf hin sehr sauer auf meinen Vater.
Sie meldete sich dann beim Lehrlingsamt, und die besprachen dann das weitere Vorgehen.

Es gab eine Gerichtsverhandlung, weil das eine Straftat an jemand Minderjährigem war.
Mein Chef musste vor Gericht mit meinen Eltern.
Ich musste nicht dabei sein, weil das sonst zuviel für mich wäre, hiess es.

Ich bekam als Vorschlag, in eine andere Ausbildung zu wechseln, gleich im Anschluss.
Das heisst, ich konnte noch in der selben Berufsschule und in dem gleichen Berufsjahr bleiben wie zuvor.
Ich hatte nicht gespürt, wie kaputt ich eigentlich dort schon war, körperlich so wie geistig, sonst hätte ich auf keinen Fall eingewilligt.
Also, war ich damit einverstanden. Ich konnte sehr schwer erkennen, wann ich eigentlich am Limit war.
Ich fühlte mich oft wie körperlos, wie abgetrennt von mir selbst.

Jedenfalls durfte ich in ein Geschäft zum Vorstellungsgespräch, es war eine Boutique mit sehr hochwertigen Textilien.
Schon als ich diesen Laden betrat, wusste ich, das ich da eigentlich überhaupt nicht herein passe.
Ich kam aus einer doch eher armen Familie, und diese Boutique hatte recht einige, für meinen damaligen Begriff, teureren Kleider.
Zudem hatten meine Eltern mir nie gross erklärt, wie man sich frisiert, oder was eigentlich „Stil“ und „Mode“ bedeutet.

In der Bijouterie musste man einfach Ringe polieren und Rechnungen drucken und solche Dinge.
Doch dieses neue Geschäft bemühte sich offensichtlich mehr um die Lehrlinge.
Es sah vielversprechend aus, die Geschäftsführerin wollte mir eine Chance geben, zumal sie auch die Geschichte von meiner ersten Ausbildung gehört hatte.
Und sie hatten auch gerade eine Lehrtochter verloren, da ihre die Ausbildung abgebrochen hatte.
Ich durfte dort also beginnen.
Allerdings hatte ich noch drei Monate Probezeit.

Doch es wurde nicht einfach.
Meiner Chefin fiel auf, das ich zu wenig redete und sehr komisch war.
Ich schaute die Menschen nicht an, konnte kaum reden mit ihnen.
Sie hatte dann den Verdacht, das ich Cannabis rauche.
„Sara, ich kann ihnen nichts ansehen, weder ob sie traurig sind, oder fröhlich. Sie sind wie ein Roboter“
Das hörte ich des Öfteren von ihr.

Ich hatte nicht verstanden, was ich genau anders machen sollte.
Mein ganzen Leben war ich schon so.
Und nie hat es jemandem gepasst.

Meine Chefin lud immer wieder meinen Vater ein, und behauptete, ich rauche Cannabis.
Aber das tat ich zu dieser Zeit nicht.
Ich hatte mir die allergrösste Mühe gegeben den Anforderungen meiner Mitmenschen zu entsprechen, aber ich verstand nicht was sie wollten.
Nächtelang grübelt ich, was so anders an mir war, warum ich das nicht schaffe.
Ich kam zum Schluss, das meine Vergangenheit Schuld sein musste das ich so war.
„Der Stress“ sagte ich mir immer wieder „darum kannst du dich nie konzentrieren“

Aber es war nicht der Stress.
Es war mein Autismus, den ich nicht ablegen konnte.
Der Stress war das eine Problem, das Problem das ich nicht essen konnte, wenn ich unter Druck stand.
Mir schwindeten einfach immer mehr die Kräfte.

Mein Vater stritt oft mit meiner Chefin, weil sie es nicht recht glaubte, das ich keine Drogen nahm.
„wir sind nicht zuständig für ihre Erziehung“ betörte sie so oft.
Und mein Vater stand einfach hilflos da.

Ich fühlte mich so fehlerhaft, so falsch.
Und immer wieder wurde mir gedroht, sie schmeissen mich raus, wenn ich mich nicht endlich mal „öffne“
Und auch mal Emotionen zeige.

Aber wie?……Unbenannt-32

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