Ein orientierungsloser Astronaut….

Meine Ausbildung schritt voran und ich fühlte mich aufrund der Dissoziation nur noch wie ein halber Mensch.
Ich hatte die Fähigkeit, logisch Zusammenhänge miteinander zu verknüpfen fast vollständig verloren und befand mich fast in einer Welt voller Konkretismus. (das heisst, man nimmt alles was geredet wird aufs Wort wörtlich)
Ich war unfähig, die einfachsten Aufgaben zu lösen oder geschweige denn komplexere Aufgaben zu bewältigen.

Ich merkte, etwas stimmte mit mir nicht.
Und das meine Chefin meinte, ich rauche Cannbis war auch nicht so weit hergeholt von ihr.
Cannabis macht das Denken auch konkretistisch, da hatte sie völlig recht. Klar, kam ihr das komisch vor.
Es ist auch ein Problem des Autismus, das man alles wörtlich nimmt, aber so stark wie damals hatte ich das Problem noch nie.

Oft war ich richtig ausgelaugt durch den Schlafmangel, weil ich mich stundenlang am Abend herumwälzte und einfach nicht schlafen konnte vor lauter Angst.
Angst vor dem Mobbing, welches einige Mitarbeiterinnen gezielt gegen mich ausgeübt hatten.
Angst versagen zu können
Angst das sie wieder denken könnten ich nehme Drogen
Angst, Angst, Angst, Angst.

Aber nicht nur der Schlafmangel laugte mich aus, auch meine Essstörung und die Angst wieder „dick“ zu werden und das die Menschen mich auslachten.
Mein Freund hatte mich dann auch noch verlassen, nach absetzen der Pille.
Ich schlafe zuwenig mit ihm, meinte er.
Ich war immer sehr distanziert in Beziehungen.
Meist hatte ich meine damaligen Freunde einfach nur für Sex.
Aber die Pille hatte mein Hormonhaushalt so durcheinandergebracht und der Stress ebenso, das ich einfach keine Lust mehr auf Sex hatte.

Als er mich verliess war ich Monatelang in einer sehr schweren Depression gefangen.
Ich glaube, weniger weil er mich verlassen hatte, mehr so, das er es so plötzlich gemacht hatte.
Per SMS, einfach so, an einem Mittwoch Abend.
Ich war ganz normal arbeiten.
Da kam das SMS, worin stand, er will mich nie mehr sehen.
Das war alles was ich noch von ihm je gehört habe.

Ich wusste das ich es hätte merken sollen, das unsere Beziehung irgendwie nicht so gut läuft. Da habe ich mir das erste mal überlegt, das ich ihm ja kaum ins Gesicht gesschaut habe, geschweige denn, jemals darüber nachgedacht habe wies ihm geht.
Ich merkte, das ich Gefühle nicht verstehe, weder meine eigenen, noch die der anderen.
Und da bin ich wieder einmal zu meinem Vater gegangen.
„Papi, warum bin ich so anders“ Wollte ich von ihm wissen.
Er aber antwortete nur, „du bist nicht anders“ und dann war das Thema eigentlich erledigt für ihn.
Aber tief in mir drin wusste ich, ich verstehe die Menschen nicht…aber ich wusste nicht warum.

In der Berufsschule machte ich eigentlich gute Noten, wenigstens etwas lief einigermassen gut.
Ich hatte eine Note 4.7 im Detailhandel.
Aber meiner Chefin reichte das nicht aus, ich wurde in die zweijährige Verkaufsausbildung degradiert.
Mein Vater fand das total ungerecht, zumal eine 4.7 eine recht gute note ist in der dreijährigen Ausbildung. (Andere blieben in der Ausbildung mit einer 4)
Diese Ausbildung war noch anspruchsvoll, und ich konnte anspruchsvollere Sachen schon immer besser als die leichteren.
Ich hatte ein fotografisches Gehirn, deshalb musste ich eigentlich nie etwas lernen, geschweige denn Hausaufgaben machen.
Hätte ich gelernt, wäre ich wohl locker über eine 5er Note gekommen.
Aber ich hatte keine Kraft zum lernen. Ich wollte eigentlich sterben..weg..nicht mehr existieren…

Dieser Rückschritt in die zweijährige Lehre setzte mir sehr zu.
Weil es ungerecht war und meine Chefin dann sogar meinem Vater sagte,
„Sie will mich nicht noch ein Jahr länger in diesem Geschäft ertragen müssen, darum schicke sie mich in die kürzere Lehre“
Es ging, wie so oft, nicht um schulische Leistungen, sondern um das, das sie Leute des Geschäfts ernsthafte persönliche Probleme mit mir, als Mensch, hatten.
Sie ertrugen mein Wesen nicht, meine verschlossene Art, dann die Art wie ich mich kleidete, eher wie ein Gothic, immer schwarz.
Das ich nicht in die Boutique passte, war mir ja klar, aber man sollte auch denen eine Chance geben die eben „anders“ sind.

Ich machte also weiter, demotivierter als zuvor..manchmal wie ein orientierungsloser Astronaut, der im All verloren herumschwebte und nach und nach erstickt.
Bis ich meinem Leben endgültig ein Ende setzen wollte.18

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