Die Ruhe nach dem Sturm?

Ich konnte so nicht mehr weiter machen. Klar merkte ich, das dies Raubbau an meinem Körper bedeutet.
Ich schlief immer mehr ein am Ausbildungsplatz, einmal sogar während dem Kloputzen.
Es gab immer mehr Stress mit meiner Chefin, weil ich nicht effizient genug arbeitete.
Ich verstehe das natürlich, das eine Chefin so einen lahmen, schläfrigen Lehrling nicht haben will und das dies auch wütend macht.
Aber im Grunde genommen hatte niemand Rücksicht auf mich genommen.
Es ging ums Funktionieren, nach aussen hin Fassade bewahren und sich zusammenreissen.

Mögliche Andeutungen auf meine frühere Geschichte wurden einfach ignoriert oder es wurde komisch geschaut.
Es wurde mir dann sogar verboten, darüber zu sprechen.
Da „es die Mitarbeiter verängstigt“

Keiner hat da nur einmal an mich, die damals 17 jährige Sara gedacht, die immer hilfsbereit war, und geschaut hat das alle zufrieden sind. Die sich immer still unterordnete, und selten herumjammerte.
Mir wurde oft vorgeworfen keine Empathie zu besitzen, aber in anbetracht meiner Erinnerungen an die Menschen in meinem Leben, muss ich mich fragen, ob nicht die neurtotypischen (gesunden) Menschen diejenigen sind, die weniger bis keine Empathie empfinden können.
Es ging also in erster Linie um die Angst der Mitarbeiter, aber nicht um die Angst von mir.
Ich war jung, unwichtig..nebensächlich..ein Opfer….

Es folgte ein kläglicher, gescheiterter Selbstmordversuch meinerseits. Darauf gehe ich hier nicht weiter ein.
Ich bin deswegen ausgefallen auf der Arbeit, aber selbst als sie es dann erfahren haben, ging das Mobbing weiter.

Auf mir wurde herumgehackt ohne ende, alles wurde kritisiert an mir. Meine Haare, meine Gangart, meine Kleidung, mein Schmuck.
„Ich gehöre in einen Esoterikladen“ hiess es sogar einmal.
Da ich aussehe wie weine Hexe persönlich.
Ich gebe zu, ich habe mich extra gerne in Schwarz gekleidet. Genau so, wie die Dunkelheit in mir.
Und mein Geschmack war schon immer aussergewöhnlich was Kleidung betrifft.
Aber man sollte die Menschen nehmen, wie sie sind. Und mit ein bisschen Interesse hätte man mich auch kennenlernen können.

Aber diese Verhaltensweisen führten dazu, das ich mich immer mehr in mich zurückzog und dissoziierte.
Ich habe damals gelernt, „man darf nicht über seinen inneren Schmerz reden, auch nicht Erlebnisse über Missbrauch erzählen, sonst wird man zum schweigen gebracht.“
Genau deshalb schreibe ich diesen Blog und werde ein Buch verfassen.

Ich hatte die Ausbildung abgeschlossen, mit einer Note 4.3
Für das ich keinen Finger mehr gerührt habe für irgend etwas in der Berufsschule war es ok.
Mir wurde ein sehr schlechtes Arbeitszeugnis ausgestellt, mit den Worten, ich müsse es so annehmen, hätte keine Chance es ändern zu lassen.
Ich habe das meiner Chefin geglaubt.

Und so fand der Schrecken ein Ende.
Aber ich wurde arbeitslos.
sarablacky

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3 Kommentare zu “Die Ruhe nach dem Sturm?

  1. >>Ich habe damals gelernt, “man darf nicht über seinen inneren Schmerz reden, auch nicht Erlebnisse über Missbrauch erzählen, sonst wird man zum schweigen gebracht.”<<

    Ich glaube, dieses ist das eigentlich Bittere, dass sich durch deine ganze Geschichte hindurchzieht.
    Ich frage mich, warum das so ist, warum so viele Menschen sich nicht einfach mal Zeit nehmen und zuhören.

    • Oh es ist nicht so, das sie nicht zugehört hätten, viel eher war es so, das die Menschen behaupteten ich erzähle bloss Unsinn und ich wisse gar nicht was wirklicher Missbrauch bedeute.
      Oder man brachte mich eben zum schweigen und verbot mir dann darüber zu reden.

      • Das verstehe ich um so weniger…

        Du erinnerst dich vieleicht an meinen allerersten Kommentar – das war zu deinen Erlebnissen in der Kindheit, wie deine Mutter dich hat hungern lassen, wie du im Wald gelebt hast usw. – , da hatte ich auch geschrieben, dass ich das kaum glauben könnte. Einfach deshalb, weil ich so eine Geschichte noch nie gehört hatte und ich meine eigenen väterlichen Empfindungen für so selbstverständlich halte. Deine Schilderung war für mich so unendlich weit weg von eigenen Erfahrungen (und denen meines Umfeldes), dass es für mich schwer fiel, das als Wahrheit zu realisieren. Ich schreibe das jetzt nicht, um etwa deine Erlebnisse erneut in Frage zu stellen, sondern um ein wenig deutlich zu machen, warum wir „Notmalos“ manchmal so komisch reagieren. Wir halten so oft nur das für wahr und möglich, was in unsere eigenen Denkmuster passt. Und damit tun wir dir (bzw. euch) Unrecht! Deshalb sind solche Blogs wie deiner so wichtig! Wichtig nicht nur für dich, um deine Erlebnisse für dich selbst in Worte zu fassen, sondern auch für die Anderen, damit sie sensibler und aufmerksamer werden.

        Was die Vergewaltigung, die Depressionen, den Suizidversuch und die Esstörung betrifft, hätte ich aber erwartet, dass die Gesellschaft schon weiter ist und dass die Menschen bereiter wären, dein Erzählen ernst zu nehmen. Und ich frage mich, warum sie sich so sehr davon distanzieren wollten.

        Für mich war es einmal wichtig, von einem lieben Menschen erklärt zu bekommen, was bei Dissziation geschieht. Oder jemanden ganz wertfrei fragen zu dürfen, warum er sich selbst verletzt. Dann konnte ich auch andere besser verstehen.

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