Die Verwandlung zur Gothic

11!
Die Zahl Elf ist eine besondere Zahl.
Es war schon immer meine Lieblingszahl (vielleicht wegen der Gleichmässigkeit?)

Nun, fahren wir fort.
Als ich 14 Jahre alt wurde, musste ich mich mit vielen neuen Dingen auseinader setzen. Nicht nur, das mein Gehirn und somit meine Gedanken komplexer wurden, sondern auch die körperlichen Veränderungen forderten ihren Tribut ein.

Eines Tages kam eine ganz hübsche junge Frau in unsere Klasse.
Ihr Name war wohlklingend.
Sie hatte Gelbblondes Haar und sehr hübsche Lippen. (das Gesicht selbst sah ich leider nur verschwommen)
Und als sie das Schulzimmer betrat, ging ein raunen durch die Klasse. Alle redeten mit ihr, alle mochten sie von Anfang an.
Warum mich nicht?
Was mache ich falsch?
Sie musste etwas besonderes an sich haben.
Ich wollte auch, das man mich sah, ich hatte auch orangenes-gelbes Haar. Ich habe sogleich mein Haar geöffnet damit ich zeigen konnte das ich auch so schönes Haar habe.
Ich wollte auch das man mich bewunderte und lieb hatte, genau wie sie.
Also habe ich sie einfach gefragt ob die meine Freundin sein will, so direkt war ich.
Sie sagte sogar ja.

Sie hatte aber einen sehr „verachtenden“ Charakter gegenüber mir. im nachhinein glaube ich sie war nur mit mir „zusammen“ um sich selbst besser darzustellen.
Sie tolerierte mich zwar, aber mehr als „Hassobjekt“ und zwar so, das sie neben mir „Aussenseiter“ meistens besser dastand vor der Klasse. In dem sie mich „klein machte“ wurde sie umso grösser.
Diese Rolle war mir aber mehr als geläufig, darum fand ich mich auch gleich wieder als „unterwürfiger Sklave“ von ihr. Darin fühlte ich mich wohl. So kenne ich es doch von Zuhause her.
Dieses Verhaltensmuster sollte mein Verhängnis werden im späteren Lebensverlauf.
Sie lernte mir ungeschicktes Wesen, wie man sich schminkt, wie man sich „sexy“ kleidet, wie man besser ankommt im Umfeld.
Das war mir sehr nützlich.
Meine Eltern wollten das ich normal war, also war sie die Rettung.
Sie schenkte mir ihre ausgediente Kleidung und Schminke. zwar mit Verachtung, das habe ich aber damals gar nicht gemerkt.
Und ich war um jeden „Bissen“ froh den sie mir gab.
Es brachte mich dem „Aussen“ ein bisschen näher, ich durfte mehr „Mensch sein“ durch sie.

Doch dann wurde ich abrupt in eine neue Klasse versetzt, weil sich meine Noten verschlechterten und das Mobbing der restlichen Schüler einfach zu gross gegen mich war.
Das meinte zumindest meine Lehrerin damals.

Doch in der neuen Klasse war es nicht viel besser.
Ich gehörte von da an zu einer der Ältesten (weil ich immer noch aus einem anderen Schulsystem kam, von einem anderen Kanton her, passte ich „altergemäss“ in kleine Klasse rein)
Aber das verschaffte mir keinen Respekt.
Ich war in dieser Zeit ziemlich Star Trek angefressen was mich noch mehr zum Aussenseiter machte.
Leider war ich nicht das „typische Mädchen“ und ich wusste auch nicht wie „typische Mädchen“ sich verhalten.
Ich las Bücher über Kunst oder Raumschiffe, aber ich wusste nicht was ein „typisches Mädchen“ so ausmacht.

Die letze Rettung sah ich in den Aussenseitern.
Es gab in dieser Klasse zwei „Aussenseiter“ die ebenfalls eher alleine herum standen, habe ich beobachtet.
ich habe mich versucht mich ihnen anzuschliessen. Ich hatte zwar keine Ahnung von Gesprächen mit anderen Menschen, trotzdem versuchte ich es.
Es ist mir auch mit viel Mühe gelungen.
Sie schienen bereit, ein wenig Zeit mit mir teilen zu wollen.

Doch es war schwerer als gedacht.
Mit einer von ihnen hatte ich ein „engeres Verhältnis“
Sie fand eine bestimmte Band ganz gut.
Ich musste mich erst an sie heran tasten. Sie war so unberechenbar, aber ich wollte mehr über sie wissen. Das „Aussen“, also die Aussenwelt, interessierte mich mehr denn je. Aber ich habe keinen Zugang zu ihr gefunden, so sehr ich es versuchte. Ihr denken blieb mir fremd und meines ihr wohl auch.

Doch Eines Tages hielt sie mir ein Bild des Frontsängers der Band unter die Nase und meinte
„Ist er nicht süss?“
Ich habe sie nicht ganz verstanden, ws sie damit meinte, aber der Mann auf dem Bild gefiel mir.
Er hatte längeres Haar.
Ich konnte nie Gesichter sehen, die sahen eher immer wie „zensiert“ aus, aber längeres Haar hat mich bei Frau und Mann immer sehr angezogen. Längeres Haar konnte ich sehr gut sehen.
Und so…kam es das ich auch Interesse an dieser Band bekam. Ich liess mich von ihr anstecken. Ich sah mir dieselben Musikvideos an wie sie, interessierte mich für das selbe wie sie.
Somit hatte ich eine gemeinsame Basis mit meiner ersten „Freundin“ meines lebens gefunden und ich fühlte mich innerlich mit ihr verbunden.
Ich fühlte mich kurzzeitig nicht mehr wie ein Alien, sondern endlich ein Stück weit normaler.

Es war ein gutes Gefühl, aber ich wusste nicht wie ich mit einer Freundin umgehen soll, schnell kamen Überforderungsgefühle.
Ich denke sie hätte im nachhinein viel mehr „emotionale Zuwendung“ gebraucht von mir, die ich ihr aber nicht geben konnte, da ich sie nicht gut verstehen konnte.
Wenn sie Krisen hatte in Beziehungen, konnte ich das nicht verstehen, weil ich rein rational Denke und ihr so den nötigen Trost nicht geben konnte.

Wir hatten aber immerhin diese „gemeinsame Basis“ mit der Band und über das redeten wir auch die ganze Zeit. Aber ich glaube das sie so nicht ganz glücklich war.
Alles drehte sich in meinem Kopf um diese Band und wenn ich einmal von einem Thema angefressen bin, dann hört es nicht mehr auf. Ich rede dann nur noch über das.
Die Band wurde meine neue Identiät, mein neues Spezialinteresse.
Ich find an mich mit der Szene zu beschäftigen, in dieser die Band sich sah.
Es war die Gothic Szene.

Sie interessierte mich darum, weil sie Schwarz war.
Mein „inneres Gefängnis“ war auch schwarz.
Es passte also zu mir.
Diese Meloancholie, diese Art der Kleidung.
Schwarz als Symbol der Trauer, der Bescheidenheit.
Das hat mir sehr zugesagt.
In dieser Zeit hatte ich auch oft Suizidabsichten.
Da mein „wahres inneres“ nie Frei leben konnte, sondern nur immer der Mutter angepasst war.
Ich wollte nur noch frei sein, meine Gefühle ausdrücken können….meine Identität und meinen Körper finden und kennenlernen!

So kleidete ich mich von nun an als „Gothic-Frau“ in dem ich mir Magazine kaufte, ansah wie die darin ausgesehen haben und es einfach kopierte.
Auch weil es dem Lebensgefühl von mir entsprach.
Dunkel, melancholisch und ohne Hoffung.
Ich musste mich so nicht anpassen aber war totzdem „jemand“
Ich färbte meine rot-gotblonden Haare pechschwarz.
Die Familie reagierte mit Entsetzen.
Ich wollte zeigen, das ich jemand eigenes war.
Jemand der keinen Bock hatte sich immer nur unterordnen zu müssen.
Und so hatte ich meine „Jugendidentität“ gefunden.
Eine Gestalt der Dunkelheit, die anders ist, sich nicht anpasst an die Gesellschaft, aber doch auch Gefühle hat wie ein normaler Mensch und sie zeigen möchte.
Ich schrieb Gothic-Gedichte oder Songtexte mit der Freundin, oder zeichnete Vollmonde und Vampire.
Die Gothic Szene damals war Heimat für viele „Seelenverwundete“ die Zuflucht in melancholische Welten suchten.
So auch ich….

Unbenannt-19

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Ein Kommentar zu “Die Verwandlung zur Gothic

  1. Ja, das Anders-Sein zerreißt einen innerlich. Ich weiß erlich gesagt nicht genau wieso ich nur schwarz trage. Ich weiß nur, dass ich mich darin sehr wohl fühle und es irgendwie, so wie du beschrieben hast, zu mir passt weil es einen Teil von mir verkörpert. Schwarz, ist die Stille, das Schweigen. Ich weiß nicht, es spricht mich an. Meine Haare schwarz färben, dass darf ich nicht. Wollte ich aber. Ich bin 16 und naja, ich muss da wohl noch warten. Freunde finden ist ein ganz anderes Thema. Ich habe auch keine Ahnung wie das funktionieren soll. Übrigens, die Band ‚Mayday Parade‘ ist auch ziemlich gut. (meiner Meinung nach)

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