Rohre, gestapelt zu einem Dreieck

Ich möchte hier eine Rückblende zürück in jüngere Jahre einfügen.

Ich möchte hier gleich zu Anfang erwähnen, das meine Kindheit nicht nur aus schlechten Zeiten bestanden hat. Ich habe sehr vieles gelernt, über die Natur, über Tiere…auch über die Menschen.  Ich werde also auch meine guten Erlebnisse und Erinnerungen erzählen, wenngleich es auch wenige waren.

Als ich etwa sieben oder acht Jahre alt war, und schon zur Schule ging, herrschte ein strenges Reglement bei mir Zuhause. Meine Mutter verlangte das ich immer den gleichen Schulweg ging (Den viel längeren) . Nur, ich habe meine eigenen Regeln gehabt. Und die lauteten: „Den Weg mit den meisten Mustern und der dich am schnellsten zum Ziel bringt“ zu gehen.
Dieser war, laut meiner Mutter ein „gefährlicherer Weg“ weil er an einer Autobahn vorbei ging.  Da aber jegliches ermahnen von meiner Mutter nichts brachte, weil ich einfach nicht wusste was „Gefahr“ bedeutet, lief ich einfach den verbotenen Weg, weil ich selber den für schneller und dazu noch interessanter empfunden habe.

Sie hat es sich dann angwöhnt mir zu folgen, mit dem Auto. Aber dieses konnte ich schon über Kilometer Entfernung identifizieren mit meinem Gehör und mich verstecken. Einmal, suchte ich Schutz hinter einem Lastwagen, fast automatisch, als ich den Motor meiner Mutter unter all den Autos vernahm. So beobachtete ich sie, in dem ich ihre Schuhe unter dem Lastwagen sah.
Ich hoffte, das sie mich nicht findete.  Zum Glück ist sie dann gegangen.

Leider lief es für mich nicht sehr entspannt. Unterwegs auf dem Schulweg traf ich auf viele Muster, wie Rohre die übereinander im Dreieck gestapelt waren. Wenn man sie von vorne Betrachtete, dann sah man ein unglaubliches Gebilde aus Kreisen.Damals hatte ich kein Zeitgefühl, und so konnten viele Minuten, sogar Stunden vergehen..und ich konnte nicht aufhören es zu betrachten. So war es auch mit Regenwürmern, Blumen und anderen Sachen die mich sehr in den Bann zogen. Such mich mit einer Uhr auszustatten half nichts. Ich wurde oft dafür geschlagen, weil ich das Zeitgefühl nicht beherrschte.

Mein Umfeld hat das Verhalten von mir sehr angestrengt, ebenso meine Lehrerin, die ich ebenfalls nur in „Teil-Gliedmassen“ wahrnahm, besonders ihre immer gleichen Ohrringe die ich mir gut merken konnte. Wenn ich die Ohrringe sah, wusste ich aha..da ist „Frau Ohrring“

Meine Lehrerin meinte, sie „habe noch nie sows wie mich erlebt“ und diesen Satz sollte ich noch oft zu hören bekommen auf meinem weiteren Lebensweg. Sie hat mich auch in eine Schulpsychologische Abklärung geschickt, weil sie meinten ich sei „hinterblieben“ aber da ich eine super Intelligenz hatte bemerkten sie nichts.

Meine Mutter war auch immer angespannt in dieser Zeit und so musste es kommen wie es kommen musste. Eines Tages habe ich Fernseh geschaut, das war mir eigentlich verboten. Doch sie taten es auch, warum ich dann nicht? Diese Bunten bewegenden Bilder waren mehr als faszinierend. Das fiepende Geräusch des fernsehers allerdings nicht.   Mieine Eltern hatten noch einen Trick, sie wischten über den abgestellten Fernseher und schauten ob er geladen war. So merkten sie, ob ich geguckt habe.

Meine Mutter war an diesem Tag so wütend, das sie mich packte und gegen den Metallheizörper schlug. Wieder halte ich reflexartig meine Hand an den Kopf. Wieder das Blut an meinem Händen, das kannte ich ja jetzt schon. Schmerzen htatte ich wieder keine. Diesmal war es aber etwas mehr Blut als bei den Zähnen damals vor Jahren. Meine Mutter rannte wieder hektisch herum und telefonierte mit irgend jemandem.

Dann mussten wir zu unserem Arzt. Dieser war genau neben unserer Wohnung. Einen Block weiter. Bevor wir da hin gingen, sagte sie mir wieder, was ich zu sagen hätte beim Arzt. Und zwar, das ich auf einer Zeitung ausgerutscht sei.
Natürlich habe ich alles genau so gemacht wie sie es wollte. Ich wollte nur endlich meine Ruhe haben.
Beim Arzt, musste die Wunde genäht werden. Der Arzt sagte „Ohh da bist du aber böse umgefallen, wir müssen jetzt sieben mal stechen und das zusammennähen.“
Ich wusste was nähen ist. Meine Oma nähte, sie ist Schneiderin.
Das fand ich sehr erschreckend.

Auch dieses Ereignis habe ich nicht so ganz „verstanden“ also warum sie mich bestraft hat. Ich habe all diese Zusammenhänge nicht einordnen können. Ich habe sie nur in meinem Kopf abgespeichert. Irgendwann, nach dieser Zeit, nahm unser Vater uns mit in sein Heimatland. Er ist nicht in der Schweiz geboren sondern in Spanien.  Da hatten wir zu diesem Zeitpunkt auch noch Grosseltern.

Sie hatten ein schönes Haus, mit riesigem Garten, der mehrstöckig nach unten hin am Hang verlief. Dort konnte ich mich immer mich selbst fühlen und durfte den ganzen Tag für mich selbst sein. Keiner hat an mir herumgenörgelt. Diese Zeit halte ich für sehr wichtig für meine Entwicklung, auch wenn sie nur ein paar mal in den Sommerferien war. Man schrie mich nicht an, man behandelte mich wie ein Kind und sehr respektvoll. Ich bekam genug essen und am liebsten wäre ich für immer dort geblieben. Es war jedesmal doch sehr hart für mich, wenn ich wieder nach Hause musste. Innerlich weinte ich Tagelang.

Die Rückkehr zu meiner Mutter fühlte sich jeweils an wie wenn man mich in einen kalten Abgrund ziehen würde, wo es keine Menschlichkeit und Emotionalität gibt. Ich fühlte mich dann so leer wie meine Mutter sich wohl die ganze Zeit gefühlt haben musste. Ich funktionierte nur noch, ich lebte gar nicht mehr. Und umso schmerzhafter war es zu wissen wie es sich anfühlt als würdevoller Mensch zu leben.Mein Ziel zur damaligen Zeit war, endlich „frei“ sein zu können und in Ruhe und Gelassenheit in meinem Garten leben zu können, genau so wie in Spanien.  Ebenso trug ich die Werte meiner Grosseltern in mir, die mir als Vorbilder dienten, die mir Tiere und Natur noch näher brachten und das es in der Welt nicht nur schlechte Menschen gibt.Unbenannt-61

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