Zwei Zähne und viel Blut

Ich möchte den Teil 8 mit einer Rückblende auf frühere Erinnerungen beginnen. Leider habe ich mich in Teil 1 und 2 meiner Story, eher mehr auf meine Autismus-Symptome fixiert, anstatt biografisch mehr von meiner Geschichte anzusprechen.
Kehren wir also zurück…in mein ca .viertes Lebensjahr.  Der Autismus war schon da.  Ein Gewirr aus Strukuren der Drähte von der Feuerschutztür unseres Flurs und die Kacheln der Küche erscheint vor meinen Augen. Ich hörte Stimmen..meines Vaters und die meiner Mutter.  Es war die Zeit um meinen Kindergarten herum.

Zu dieser Zeit, habe ich Farben besonders gut wahrgenommen, das tue ich heute noch, jedoch damals waren es vorallem die Komplementärfarben (Gegensätzliche Farben) die mich anzogen.
Es gab da diese seltsamen runden „Kleckse“ welche am Rand unseres Wohnblockes standen, welche meine Aufmerksamkeit erregten. Sie waren leuchtend, meistens in violett und gelb. Welch Farbenpracht.
Die Menschen nennen sie „Blumen“ die haben sogar noch einen ganz lustigen Namen nämlich „Stiefmütterchen“

Und so kam es, das ich so fasziniert davon war, das ich sie einfach in meine Hände genommen habe und sie mit mir mitgetragen habe. Da hörte ich einen Knall.
Es war der grüne Fensterladen des untersten Stockwerkes.
Ich hörte, wie das Fenster sich öffnete.

Eine krächzende Stimme schrie herum.  Ich wusste nicht, was das war, ob das menschlich war, oder nur das knarren eines Fensters. Ich habe nichts von dem gekrächze verstanden.
Nur ein komisches Gefühl, machte sich in mir breit.
So schnell ich konnte lief ich nach Hause, das Treppenhaus hinauf, zu unserer Wohnung. Die „krächzende Stimme“ wohnte unter uns.

Ich konnte die Kacheln unserer Küche sehen, ich wusste, ich bin Zuhause. Meine Mutter stand vor der Tür, aber ich sah nur ein Schatten.  Nur die Kacheln waren scharf zu erkennen.
Meine Mutter schrie sehr laut herum, ich wollte nur noch flüchten.  Erst Minuten später konnte ich hören was sie sagte, aber nicht verstehen was damit gemeint ist .

„Was hast du getan? Du hast die Blumen von Frau Schratinger (Name erfunden) ausgerissen!“
Ich wusste mittlerweile das das Blumen waren, aber ich wusste nicht was „ausgerissen“ beduetet, geschweige denn, wie ich hätte nachfragen sollen.
Ich machte also weiter wie bisher, da ich es eh nicht verstehen konnte, hatte ich wieder meinen Frieden.

Das schlimme war, als ich nach einer längeren Zeit wieder einmal draussen war, standen neue „Blumen“ da. Und zwar in den Farben rot und gelb.
Diese neue Kombination, zog mich magisch an.
Natürlich nahm ich auch dieses Wunderwerk der Natur an mich.

Wieder klappte der Fensterladen. Wieder öffnete sich das Fenster.

„Frau Schratinger“ kam mir plötzlich der Gedanke. „das muss Frau Schratinger sein – das sind ihre Blumen, hat die Mama gesagt“ Aber es war zu spät.
Frau Schratinger schrie, es krächtzte sehr laut.
Ich flüchtete, meine Ohren taten mir weh.

Oben in der Wohnung angekommen, wusste meine Mutter schon bescheid über alles. Wie das ging wusste ich nicht.
Sie packte mich an den Füssen, wirbelte mich herum. Ich konnte nicht mehr sehen, wo ich war.

Plötzlich stosste ich auf einen Wiederstand. Ich war mit dem Kopf auf die Tischkante des Holztisches im Wohnzimmer gekracht.

Es war beendet, ich lag am Boden. Schnell rannte ich davon.
Ich merkte, das in meinem Mund Flüssigkeit war, sie schmeckte wiederlich, etwas bitter.

Reflexartig bewegte ich meinte Hand zu meinem Mund, ohne genau zu wissen wo genau was war, ich sah meine Hand an und sie war andersfarbig als sonst. Die Flüssigkeit lief an der Hand herunter und in meinem Mund befanden sich mehrere seltsame Objekte. Aus Schreck vor dem taktilen Reiz versuchte ich mit der Hand die Objekte zu ergreifen. Es waren mehrere weisse „Steine“ Meine Mutter erschien plötzlich aus dem nichts und schrie herum „Was hast du das?? Was ist das?? “
Sie nahm die „Steine“, öffnete hektisch meinen Mund und zog mich ins Badezimmer.

Dort wischte sie die Flüssigkeit ab. Sie sagte „Da ist überall Blut!“Immer mehr Flüssigkeit kam aus meinem Mund und sie wurde in ihren Bewegungen immer hektischer. Ich konnte das nicht ausstehen, es übertrug sich auf mich. Mein Körper wurde auch immer hektischer. „halt still,“ zischte sie.

Später redete sie ganz langsam und erklärte mir, das ich „niemandem etwas davon erzählen soll“.

Sie sagte „Du bist mit deinen Rollschuhen umgefallen, weisst du das vorher noch?““Nein“ antwortete ich. „Doooch“ versuchte sie es mit gekünstelter netter Stimme. „du bist so ungeschickt, du bist umgefallen, das hat sehr Aua gemacht“
Ich dachte in mir drin „Ich hatte keine Rollschuhe an, wieso sagt sie, ich hatte welche an“
Die Realität wurde von mir in Frage gestellt. Ich wusste nicht mehr was echt war und was nicht. Lange zeit musste ich angestrengt nachdenken um zu wissen was jetzt wirklich war und was nicht.
Einerseits wusste ich, ich wurde „herumgewirbelt“, anderseits besass ich nun auch Bilder in meinem Kopf von Rollschuhen und einem Sturz.

Als ich bei der Oma auf Besuch war, was ich eine Zeit lang öfters war, fragte meine Oma mich, wo meine kleinen Zähne denn geblieben seien. Sie öffnete meinen Mund und schaute. Ich wusste sofort, was sie meinte. Ich sagte ihr, das was meine Mutter mir gesagt hatte was ich der Oma erzählen sollte.
Im Auto ist sie zuvor noch alle Sätze mir mir durchgegangen und ich wollte das Mami nicht schrie, also tat ich das was sie von mir wollte.  Ich war gut im Auswendiglernen.  Das wusste sie sehr wohl.

Doch bei Oma passierte es, das ich beide Geschichten „vermischte“ und am schluss ein Brei aus Realität und Fiktion dabei herauskam. Meine Oma stellte darauf hin so viele Fragen, das ich einfach schwieg. So schwiegen schlussendlich alle. Bis das Thema nicht mehr zur sprache kam.  Es ging dann eine Zeit lang nur noch um meine Zähne. Ob sie nachwachsen oder nicht.

Gott sei dank habe ich das nicht verstanden, denn sie wuchsen nach. Wie und warum weiss ich nicht. Zuerst waren sie da, die neuen Zähne dann wurden sie braun weil der Nerv abgestorben war, danach „regenerierten“ sie sich, jedoch in einer Fehlstellung. Von diesem Zeitpunkt an, hatte ich sogenannte „Hasenzähne“ und diese machten mir das Leben nicht einfacher.
Unbenannt-16
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2 Kommentare zu “Zwei Zähne und viel Blut

  1. nun bin ich nicht in der lage gefällt mir anzuklicken, da ich denke ich weiß wie du dich gefühlt haben musst, und es ist auch schwer zu verarbeiten, deshalb sollte man auch ruhig über solche durchlebten Lebenssituationen schreiben finde ich!

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