Urin schmeckt hässlich

Doch mein Versuch, die Frau von mir fern zu halten scheiterte. Sie näherte sich mir trotzdem.
Während sie lief, sprach sie wirres Zeug.
Ich kann nur hören oder sehen, beides gleichzeitig geht nicht. Ich merkte wie ich in mir zu verschwinden drohte, wie mein zentralnervensystem alles herunterfahren möchte.
Als letzte Lösung sah ich einfach weg…hörte nur ihre Schritte und ihre Stimme.
Das funktionierte. So musste ich mich nur auf einen Reiz fokussieren.

Sie sprach…
„Was machst du da?“
Ich hörte mich sagen:
„spielen“
„Aber ganz alleine?“ Meinte sie „wo ist deine Mama“

„Zuhause“ Sagte ich kurz. „Aber du kannst doch nicht hier im tiefen Wald so alleine sein, das geht doch nicht.“  Ihre Stimme schien höher und energischer geworden zu sein.
„Ich bin immer hier. Ich kenne hier alles.“ Sagte ich, um sie zu beruhigen. Ich wollte das ihre Stimme wieder leiser ist.
Leider liess sie mich nicht in ruhe. Sie störte so sehr.
Sie verlangte, das ich mitkomme und fragte nach meinem Namen
Ihre Tochter hatte den gleichen wie meiner.
Ihre Stimme klang schon erfreuter, als sie meinen Namen gehört hatte. Dann ist es ja gut.
Hauptsache sie schreit nicht und greift mich nicht an.
Hauptsache sie lässt mich in Ruhe.

Ich ging also mit ihr nach Hause, wo sie mir ganz viele Fragen stellte. Warum ich mitging weiss ich nicht. Vielleicht weil ich, wenn man mir etwas direkt befahl, einfach den Befehl so ausgeführt habe.
Ich wurde so erzogen, unverzüglich die Dinge zu machen die meine Mutter von mir verlangte.

Es waren aber viel zuviele Fragen, die diese Frau mir immer stellte und das alles so schnell hintereinander, darum konnte ich nie Antwort geben.
Ich wollte einfach nur, das niemand mit mir redet und mich alle einfach in ruhe lassen.

Sie hat mir dann gesagt, das ich sie immer wieder besuchen könnte und auch mit ihrer Tochter spielen durfte.
Nach den anfänglichen Annäherungsschwierigkeiten, wurde ich zutraulicher und es stellte sich eine Art Gewöhnung ein.
Ich bin immer wieder zu ihr gegangen und habe sie besucht, weil mir oft so langweilig war und ich einen Gesprächspartner gesucht habe.

Irgendwann, nach mehreren Besuchen bei ihr, hat sie endlich einmal klare und langsame Fragen gestellt. Sie wollte wissen, was mit mir nicht in ordung ist.
Zuerst dachte, ich alles ist in ordnung. (Ich kenne ja neine andere Welt als die in der ich aufgewachsen bin)
Doch sie hat dann direkt gefragt, ob ich manchmal ins Gesicht gehauen werde
Dann konnte ich endlich einmal eine klare Antwort geben! Hurra!
„Ja“ meinte ich.
Ich war froh, die Kommunikation war gelungen.
Ebenso hoffte ich, das sie es weiter schaffte, meine Mauer zu durchbrechen und mit den richtigen Fragen mit mir zu reden,
Als ich wieder einmal auf Besuch war, wollte sie mehr wissen. Sie wollte wissen wie mein Zimmer aussieht, was ich den Tag durch so mache, was meine Mutter macht, was sie mit mir redet und so weiter….
Ich habe alles erzählt.
Sie hat dann gesagt „Das ist nicht gut, ich muss das jemandem anderen erzählen. Die helfen dir dann. Das Jugendamt, weisst du?“

Eine Panik stieg in mir auf.  Jugendamt? Mir helfen?
Ich konnte mir nur im entferntesten Sinn denken, was geschehen würde.
Meine Mutter hat mir immer wieder gesagt, wenn ich jemandem etwas erzählen würde, dann komme ich ins Heim.
Die im Heim werden mich töten und schlagen, schlimmer als sie es tut.
Die Todesangst wuchs und breitete sich in meinem Körper aus…immer mehr…..
„Das Jugenamt wird mich töten“ sagte ich zu ihr, in der Hoffnung das es nicht dem Jugendamt erzählt.

Darauf hin meinte sie „Aber nein, sie geben dir ein besseres Zuhause, glaub mir“ Ich wurde in mir drin verärgert.
Wie konnte sie wissen, das man ein besseres Zuhause bekommt?
Was ist ein besseres Zuhause?
Ist ein besseres Zuhause ein Zuhause wo man noch mehr geschlagen wird?

Sie sah meine Unsicherheit und meinte dann „Ok, wie du willst. Ich sage nichts. Geh nach Hause, es ist alles gut“

Ich ging nach Hause , mit einem unguten Gefühl.  Es sollte sich nichts verändern!
Ich will nur meine Ruhe haben…..Zum Glück wird sie nichts sagen.

Zuhause gab es dann zwischenzeitlich wieder andere Probleme. Meine Schwester und ich hatten in diesem neuen Haus, wo wir eingezogen waren ein eigenes Stockwerk für uns allein. Mit Badezimmer und Zimmern für jeder von uns,
Sehr komfortabel also. Privatraum für sich.
Jedenfalls, hatte ich eine regelrechte Panik davor, in der Nacht das Klo zu spülen.
Es entwickelte sich eine Phobie davor, das meine Mutter durch die Spüle aufwachen könnte.
Meine Mutter hat am Morgen jeweils das ungespülte Klo gesehen und sich sehr darüber geärgert.
Sie ist ein reinlicher Mensch.
Kein Fusel darf den Boden bedecken. Es ist schon mehr ein Zwang.

Jedenfalls meinte sie, das sie mich bestrafen würde, wenn ich nicht spülen würde. Doch, wie es bei mir und vielen anderen Autisten der Fall ist, wenn sich einmal etwas als Routine „eingespielt“ hat, ist es nur schwer wieder zu verändern bzw. zu modifizieren.
Und so nahm das Unglück seinen Lauf, meine Mutter bestrafte mich ,weil ich es nicht hinbekam die Routine zu ändern. Ich spülte aus Gewohnheit weiterhin nicht.

Eines Morgens stand also mein Urin ungespült wieder im Klo. Dann kam meine Mutter, sah es.
Sie bat also zuerst meine Schwester aufs Klo zu gehen, danach urinierte sie selber in die Kloschüssel.
Dann befahl sie mir, davon zu trinken.
Ich soll meine Hand Schüsselförmig hineintauchen und dann davon trinken.
Aber ich weigerte mich, ich hatte meinen Stolz.
Dann hat sie meinen Kopf genommen und wollte ihn mit aller Gewalt hineintauchen. In der Verzweiflung mobilisierte ich unglaubliche Kräfte und hielt mich fest.
Aber schlussendlich meinte sie „Ok, dann tauch die Hand rein und leck sie ab, los sofort“
Ich musste es tun und es war das ekligste und schlimmste was sie mir damals angetan hat.

Der Gestank an den Händen verschwand auch nach Tagen nicht. Es war so eklig.
Erst nach Wochen bin ich die Frau wieder besuchen gegangen. Ich konnte und wollte mit niemandem mehr reden.

Doch weitere Probleme sollten kommen.

In den folgenden Wochen kam ein Brief zu uns nach Hause.
Er lag ganz unschuldig auf dem Tisch, als ich am Mittag von der Schule nach Hause kam
Meine Mutter atmete anders als sonst, ich konnte es hören.
Etwas war seltsam.
Es lag Gefahr in der Luft.

Sie sah mich an, und schrie was das alles sollte, warum ich das gemacht habe. Aber leider wusste ich nicht von was sie sprach.
Es stellte sich aber schnell heraus, das der Brief vom Jugendamt war.
Meine Mutter sagte dann „Du verdammte Schlange, jetzt gehst du also zu anderen herumjammern das es dir schlecht geht, was? Du Mongo! Du Schlampe! Ich sag dir eines! Wenn du denen, wenn die kommen irgend etwas sagst, dann bringe ich dich eigenhändig um. Ich erwürge dich und breche dir alle Knochen. Oder ich schicke dich hinaus und lasse dich verhungern! Hast du verstanden???“

Ich musste diesen Satz zuerst mehrmals in meinem Kopf durchgehen, ehe ich den Sinn verstanden habe. Und schon lag meine Mutter auf mir, mein Arm hinter meinem Rücken, verdreht.
Ich hörte meine Knochen knacken und jetzt spürte ich ein Stechen.
„Hast du verstanden???“ Schrie sie in mein Ohr.
„Ja“ brachte ich nur schwer heraus.

Weiter im nächsten Teil…..sararöss

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