Sind die anderen wie ich?

Meine Schwester und ich mussten, ohne uns entscheiden zu dürfen, zu meiner Mutter und dessen neuen Freund ziehen. Für mich war es furchtbar schrecklich, umziehen zu müssen. Ich fühle mich jeweils mit dem Ort wo ich wohne sehr verbunden.
So fiel ich in eine schlimme Depression.
Wir durften unseren Vater ab jetzt nur jedes zweite Wochenende sehen. Dies war für uns sehr schlimm und ebenso für meinen Vater.

Bei jedem Abschied musste er erneut anfangen zu weinen. Und ich erhoffte mir insgeheim, das er es nicht tat. Den irgendwie wurde ich davon angesteckt und ich konnte es nicht kontrollieren. Meine kleine Schwester musste auch immer mitweinen.

Als wir dann zu den Grosseltern (Die Eltern meiner Mutter)  zu Besuch waren mit unserem Vater, brach er sogar dort emotional zusammen. Zu meinem erstaunen reagierten meine Grosseltern ziemlich seltsam, in dem sie „das Geschehen des emotionalen zusammenbruchs“ fotografierten.
Dies veranlasste mich nachzudenken warum man Emotionen auf Bildern festhalten muss und inspirierte mich für eigene Fotografien,

Doch dann….

Die neue Schule rückte auch immer näher, ich konnte noch ein paar Wochen meiner Sommerferien am neuen Ort „geniessen“ bevor ich gezwungen war, die neue Schule zu besuchen. Ich zählte die Tage die bis dahin vergehen und fühlte mich einfach furchtbar.
Der Tag kam viel zu schnell und ich musste jetzt die Oberstufe antreten. Dabei war ich noch viel zu jung. Aber das ist halt so, wenn man von einem Kanton in den anderen zieht, gibt es nicht immer das gleiche Schulsystem.
Immerhin durfte ich die Sekundarschule besuchen, das sei eine der besseren, meinte mein Vater.
Ich dachte, so mache ich wenigstens etwas gut.

In der Sekundarschule bestand ich jegliche Prüfung sehr gut, so das die Lehrer mich in das Gymnasium „befördern“ wollten.
Doch statt zu begreifen, das das Gymnasium für mich eine echte Chance gewesen wäre (keiner erklärte mir, was eigentlich „Gymnasium“ ist), hatte ich nur Angst vor einer erneuten Veränderung und lehte sehr schnell ab.
Heute bereue ich diesen Schritt, natürlich.

Doch dann kam der entscheidende Moment, als ich 11 Jahre alt war: Eines Tages, in der Schule, überkam es mich wie eine „Erleuchtung“, ein kurzer Moment durch die autistische Mauer und ich erfasste, das da noch „andere“ herumlaufen…Menschen als Gesamthaftes, nicht als fuchtelnde Körrperteile…evtl. solche wie ich?
Das setzte eine Menge Gedanken in mir frei.
Am Abend sass ich am Fenster des neuen Hauses in dem wir nun wohnten, und sah den Sonnenuntergang. Neue Erkenntnisse machten sich in mir breit.

Ich wusste, ich war anders. Aber warum?
Sind diese Menschen auch wie ich?
Denken sie auch wie ich?
Warum schlagen sie mich?

Ich merkte, das das Verhalten der „anderen“ nichts gutes Verheisst. Zuvor wusste ich nicht einmal, das ich gemobbt wurde. Da ich das Symbol des Mobbings (=etwas schlechtes, ausgrenzendes) nicht verstanden habe.
Doch jetzt erfasste ich langsam, ich bin anders, sie verhalten sie mir gegenüber anders als sich selbst.
Erst mit 11 Jahren, merkte ich also, das da „denkende“ unterwegs waren. Jedoch, so richtig habe ich es da auch noch nicht ganz erfasst, nur wirklich teilweise.
Es sollte erst der Anfang einer Schrecklichen Kette von weiteren Gedanken werden.

Unbenannt-65

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