Die erste Klasse

Die Schule war für mich noch schlimmer als der Kindergarten. Sie war grösser und lärmiger. Und visuell auch noch noch schlimmer zu bewältigen.

In der ersten Klasse verlangten die Eltern immer mehr von mir das ich auch Zuhause „Hausaufgaben“ machte, aber ich konnte mich kaum aus meiner eigenen Welt befreien. Ich konnte die Welt nicht verstehen, ich verstand den Sinn dahinter nicht. Warum sollte man etwas machen, was einem noch mehr verwirrt?

Ich stellte mir viele Fragen.  Zuviele Fragen. Es ist fast so, als befände ich mich innerhalb meines eigenen Raumes, welcher mich vor dem „Aussen“ schützte.

Was ist das „Aussen“ für ein Ort?

Warum sieht es so komisch aus, warum sind Gesichter verzerrt?

Was wollen die fuchtelnden Körperteile von mir?

Warum muss man Danke sagen?

Es war egal was ich tat, meistens fuchtelten die Menschen nur noch mehr herum. Ich bekam schlechte Noten, weil ich in der Schule „herumzappelte“ und nicht zuhörte „obwohl ja alle wissen, das das sie ja intelligent ist! – Sie will einfach nicht!“

Für die Menschen eine logische Schlussfolgerung, für mich aber ein Rätsel.

Was sollte ich nicht wollen?

Ich wollte ja.

Nur ich wusste nicht was gemeint ist.

Ich hatte kein Körpergefühl, ich wusste nicht einmal was „zappeln“ ist. Kein Mensch hat mir gezeigt, was zappeln ist. Um das zu erfahren hätte können, hätte ich mich selber „finden“ müssen und somit auch die Perspektive der anderen einnemen können. Jedoch war ich autistisch. Ich lebte in einer eigenen Welt, wo andere Menschen nicht lebten, sondern einfach „Dinge“ waren.
Von anderen Mitschülern nahm ich eigentlich keine Notiz. Nur wenn Menschen „mich nervten“ waren sie da, ansonsten waren sie immer wie „ausgeblendet“

Ich selbst, existierte währenddessen mehr wie in einem Traum. Und es war schlimm, für Dinge geschlagen zu werden Zuhause, von denen ich keine Ahnung hatte warum ich diese „Bestrafung“ bekam. Ich war unkontrolliert und wusste mich überhaupt nicht recht zu finden in der Realität.

Ich wünschte mich an einem Ort, wo mich alle verstehen und wo man mich gerne hat. Ich merkte früh, das ich einfach anders war.  Ich war „falsch“ auf dieser Welt. und das gaben mir alle zu spüren, Wirklich alle.

Wie gerne hätte ich mich angepasst, doch ich war jeden Tag mehr mit meinen Kräften am Ende.
Täglich war das gleiche Problem mit mir, die Lehrerin schrie und motzte, aber ich wusste nicht wovon sie sprach. Ich versuchte etwas zu sagen aber ich brachte nicht mehr als ein Gedanke aus mir heraus und hoffte das „die Aussenwelt“ ihn hörte.

Aber nichts geschah. Egal was ich auch dachte, das „Aussen“ reagierte nicht.  Ich fing an zu resignieren, sprach einfach gar nichts mehr und versank immer mehr in meiner Welt. Denn es war egal, was ich tat, es war „falsch“ und die „Aussenwelt“ liess mich nicht in Frieden.
Wieder sehnte ich mich nach meinen Büchern, nach meinen einfachen Symbolen, die mich so sehr beruhigten.
Warum verstehe ich sie so gut, aber keine Menschen?

Weiter in Teil 3…bis dann…Unbenannt-36

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