Autismus – Wie alles Begann

Ich muss ehrlich sagen, meine Welt wurde erschüttert…Ich habe mich desshalb entschieden für euch meine Gedanken aufzuschreiben.

Letztes Jahr wurde mir Autismus diagnostiziert und ich fühlte mich wie ein Alien, welches endlich den selbst verliehenen Titel des Aliens auf der Erde nun bestätigt bekam. Unsicherheit und Ungewissheit stiegen in mir auf. „Was? Ich soll autistisch sein? Was ist das überhaupt?“
Ich wollte mich nicht damit anfreunden, dennoch wusste ich es innerlich, es ist leider so. Ich denke man hat einen Instinkt für solche Sachen.

Diese Aussage, ich hätte Autismus, nach vielen Fragebögen und Stunden des E-Mail austausches und Sitzungen, stellte mein gesamtes Weltbild um. Von mir selbst sowie von den Menschen.
Ich begann mich mit der menschlichen Psychologie auseinanderzusetzen, da ich ohnehin unfähig war, die Welt zu verstehen. Jedoch mir wurde immer mehr klar.
Leider stellten sich mir aber auch wieder neue Fragen. Gibt es eine „Schuld“, bzw. eine Wirkung, die dazu führt, das man autistisch wird?

Einige Wissenschaftler sehen den Autismus als angeboren, andere wiederum sehen die Beziehung von Mutter zum Kind als Ursache des Autismus, wobei dies ja als wiederlegt gilt.

Ich weiss nicht, warum ich wurde wie ich wurde, das Ergebnis davon ist ich bin ein Überlebender einer Zeit, die mich fast an mein Ende gebracht hat.
Wir denken wir leben in einer sehr geregelten Welt, besonders in der Schweiz, aber was jenseits unserer Mauern der kargen Häuser abgeht, das wollen viele nicht wissen. Darf ich mich vorstellen, ich bin ein Kind, geboren in einer sehr kranken Familie.

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Viele Traumatisierungen die den Menschen von Heute so geschehen, geben sich einfach von Generation zu Generation weiter, und so musste ich auch das Trauma meiner Mutter durchleben.  
Sie war total anders als ich.  Emotionaler, verwirrender, lauter. Ich habe sie eigentlich kaum wahrgenommen, geschweige denn verstanden.

Ich lebte in meiner eigenen Welt.

Die wirklich Welt, was die Menschen Realität nennen, war für mich schrecklich bedrohlich. Das war die Welt ausserhalb von mir.
Die Welt die nichts in meiner Inennwelt zu suchen hatte.

Die Welt aussen, war viel zu weit weg, teilweise dann aber wieder unglaublich Laut und sehr „unfassbar“ für mich, voller Rätsel

Mein Gehör funktionierte einwandfrei, so bekam ich die meiste Zeit mit, wenn andere redeten, oder Musik lief.
Jedoch wenn Menschen herumschrien, stellte mein Gehör einfach ab. Ebenso, wenn unlogische Dinge verlangt wurden die ich einfach nicht verstehe. Ich bin auch mit einem scharfen Sehsinn ausgestattet, der sehr viele detaillierteste Einzelheiten wahrnimmt und es für immer als Bild abspeichert, dabei unterscheidet es nicht zwischen wichtigem und unwichtigem, beinahe alles wird realitätsgetreu über lange Zeit abgespeichert. Das nennt man „eidetisches Gedächnis“ und ist eine Art fotografisches Gedächnis. (Jemand der sich Situationen wie ein Foto abspeichern kann)

Auch eine Schmerzunempfindlichkeit ist bei mir angeboren. Die Grenze zwischen mir innen und dem Aussen, also Meine Haut, spüre ich fast gar nicht.
Ich habe mich deswegen oft selbser stimuliert. Zum beispiel stundenlang an einem Kalbsledersofa meine Haut gerieben.
Oder mich im Sofa ganz fest eingeklemmt.

Kurz gesagt: Mein Zentralnervensystem ist abnormal.

Das schlimmste meiner Geschichte und meines Lebens, war aber meine Mutter. Sie benutzte mich oft als „Mutter-Ersatz“ das heisst, ich musste die Rolle eines Erwachsenen übernehmen, und das schon sehr sehr früh. Sie brauchte Hilfe, weil sie vieles nicht alleine bewältigen konnte.

Zu meiner Mutter möchte ich nur folgendes sagen: Meine Mutter ist leider sehr schwer erkrankt, aufgrund ihres selbst traumatisierenden Elternhauses. Ich möchte hier keine Diagnosen veröffentlichen, nur soviel, sie lebt nicht in der Realität, die normale Menschen sehen. Sie schädigt anderen Menschen und merkt es selbst nicht.

Da war ich also, 4 Jahre alt, verzweifelt und Gefangen in einer eigenen Gedankenwelt, aus der man nicht heraus kann.
Es schien, als würde mich eine Mauer umgeben die jegliches Signal von Aussen, einfach verzerrte.
Ich habe die Stimmen meiner Eltern gehört und sie versucht einzuordnen. So habe ich sprechen gelernt. Die ersten Schläge die ich in Erinnerung habe, waren die meines Vaters, der mich schlug weil ich seine Worte immer und immer wiederholte.

Seine Hand traf mich irgendwo, genau konnte ich es nicht einordnen, da ich meinen Körper nicht fühlte. Ich spürte mich selber nicht. Geschweige denn, spürte ich Schmerzen.
Mein Zustand lässt sich mit „flüssig“ beschreiben damals. Damit will ich sagen, mein „Ich“ befindet sich an mehreren stellen gleichzeitig in Raum und Zeit. So wusste ich auch nicht, wo mein Körper gerade war. Die Isolation empfand ich als sehr schlimm, besonders weil ich keine Möglichkeiten hatte meine Bedürfnisse nach aussen hin zu zeigen.
Ich blieb in mir gefangen.

Ich habe angefangen, mich in der Welt an Mustern zu orientieren. Das heisst, alles was jeden Tag gleich war, zeigte mir, das ich nicht „flüssig“ war sondern „am existieren“. Ich brauchte also immer wieder das gleiche, damit ich ein Gefühl des Lebens in mir hatte. Zuerst endeckte ich Fraktale Struturen wie Bäume, dann die Buchstaben.

Mein Vater las mir jeden Abend aus dem selben Buch vor, und ich sah diese merkwürdigen Symbole. Sie veränderten sich niemals. Jeden Tag nicht. Nicht wie die Welt, die unberechenbar erschien. So wollte ich, das er mir zeigt, was diese Symbole bedeuten, was er aus ihnen sieht. Schnell hatte er mir die Grundregeln erklärt und ich konnte selber lesen. Leider habe ich kaum verstanden, was ich las. Mit 5 Jahren las ich das Buch „Robinson Crusoe“ aber ausser den Namen „Freitag“ konnte ich nicht viel daraus verstehen.

So wurde lesen meine Obsession. Sie gab mir ein Gefühl der Beruhigung, des „da seins“ und ich zog mich völlig in mich zurück. Jegliche Versuche meiner Eltern mich „da raus zu holen“ waren erfolglos.  sie zwangen mich zuerst in eine Balletschule zu gehen, weil sie fanden das meine Leseobsession so nicht weitergehen kann. Jedoch wollte ich nicht da hin gehen.

Ich hatte solche Angst vor anderen Menschen, da ich sie nur schemenhaft wahrnahm, ich konnte keine Gesichter sehen, meistens nur fuchtelnde Körperteile, farbige Jacken, Hosennäte. Das alles überforderte mich visuell, so wie auch mit meinem Gehör.

Ebenso, der Versuch mich in eine Judoschule zu stecken misslang furchtbar. Der Körperkontakt zu anderen Menschen empfand ich als befremdlich, derem Atem zu hören, ihr Gestank zu riechen. Allgemein der Lärmpegel der gesamten Schule war einfach unglaublich hoch. Ich fühle hohe Anspannung in mir.  Ich wurde auch gemobbt, weil ich nicht die „original Judosachen“ anhatte, sondern nur „Billigware“ wie sie es nannten. Ich verstand das nicht so ganz.
Aber ich wusste eines ganz genau: Ich sehnte mich zurück.
Nach meinen Büchern, in meine Welt.

Meine Eltern hatten immer mehr Streit miteinander, und ich wollte das alles gar nicht hören und auch nicht sehen, also zog ich mich immer mehr in mich zurück. Wenn ich „innere Spannungen“ fühlte, las ich einfach wie eine Verrückte. Es gab fast nichts schöneres. Leider bekam ich doch viele Szenen mit, wie z.B. als meine Eltern mit dem Messer aufeinander losgingen.
Leider kam dann zu all diesem übel auch noch die Zeit, in der ich in den Kindergarten und später zur Schule musste. Das war für mich der Beginn der schlimmsten Zeit meines Lebens und das Ende jeglicher Freiheit und Privatraums. (de ich ja vorher schon nicht wirklich hatte)

Weiter im zweiten Teil….bis dann…

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